Rückschläge
Schlechtere Bedingungen für Investoren

Für ausländische Investoren ändern sich die Bedingungen in Südamerika rasant. Jüngstes Beispiel ist Verstaatlichung der Gasindustrie in Bolivien durch den neuen Präsidenten Evo Morales.

SÃO PAULO. Selten zuvor waren die Beziehungen zwischen den lateinamerikanischen Staaten so unübersichtlich wie im Augenblick. Vor allem in Südamerika ändern sich die Bedingungen für ausländische Investoren derzeit rasant. Jüngstes Beispiel ist Verstaatlichung der Gasindustrie in Bolivien durch den neuen Präsidenten Evo Morales. „Es ist erstaunlich, dass die ausländischen Konzerne überhaupt noch so viel in der Region investieren, wenn die Regierungen so wenig Anreize schaffen“, kritisierte jüngst die Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika, Cepal, in Santiago.

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Die in Lateinamerika engagierten Konzerne mussten in den vergangenen Monaten herbe Rückschläge hinnehmen. Von der Verstaatlichung in Bolivien sind der spanische Ölkonzern Repsol YPF, British Gas und die französische Total betroffen. Kurz zuvor hatten Total und die italienische Ölfirma Eni bereits ihre Lizenzen in Venezuela verloren, weil sie sich nicht auf die neuen Bedingungen der Regierung von Präsident Hugo Chávez einlassen wollten. In Argentinien untersagt die Regierung ausländischen Versorgern seit drei Jahren, ihre Tarife für Strom, Wasser oder Telefongespräche anzuheben, was etwa den spanischen Stromkonzern Endesa oder France Telecom trifft. Der französische Wasserversorger Suez Lyonnaise des Eaux hat inzwischen angekündigt, Argentinien den Rücken zuzukehren.

43 Mrd. Dollar investierten die Multis im vergangenen Jahr in ganz Lateinamerika – fast nur in Staaten wie Brasilien, Mexiko, Chile und Kolumbien. Das ist weniger als die 55 Mrd. Dollar, welche die in den USA, Europa und Japan arbeitenden Latinos jährlich in ihre Heimatländer überweisen. Trotzdem setzen europäische Unternehmer weiter auf ein stärkeres Engagement in Südamerika. So wirbt der frühere BASF-Chef Jürgen Strube unermüdlich für eine Freihandelszone zwischen der Europäischen Union und dem Wirtschaftsverbund Mercosur, zu dem Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und neuerdings auch Venezuela gehören. „Die europäischen wie südamerikanischen Unternehmen könnten durch die Arbeitsteilung stärker von der Globalisierung profitieren“, so Strube.

Obwohl die Direktinvestitionen insgesamt gesunken sind, haben die europäischen Konzerne ihre Stellung in Lateinamerika weiter ausgebaut: Nach den führenden USA sind Konzerne aus Spanien, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Deutschland die wichtigsten Investoren auf dem Kontinent. Berücksichtige man die Re-Investitionen und die Zuflüsse aus Drittstaaten, dann seien deutsche Konzerne in der Region der drittwichtigste Auslandsinvestor, sagt Peter Rösler vom Ibero Amerika Institut in Hamburg.

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