Rückschlag für den Wiederaufbau
Ein einheitliches Beben-Frühwarnsystem fehlt

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben ist die Zahl der Opfer in der betroffenen Region noch nicht endgültig abzusehen. Das Beben mit einer Stärke von 8,7 auf der Richterskala hat rund um den Indischen Ozean Furcht vor einer neuen Katastrophe ausgelöst.

HB NEU-DELHI. Das Epizentrum lag nahe der Insel Nias vor der Westküste Sumatras. Dort richtete das Beben, das selbst im weit entfernten Singapur zu spüren war, schwere Schäden an. Am Dienstag wurden auf Nias und der benachbarten Insel Simeulue 430 Opfer geborgen. Vizepräsident Jusuf Kalla zufolge kann die Zahl der Toten bis auf 2 000 steigen.

Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich jedoch nicht: In den frühen Morgenstunden wurden am Dienstag in vielen Ländern Tsunamiwarnungen und Evakuationsorder zurückgenommen. Sie hatten Küstenbewohnern von Malaysia bis Sri Lanka in der Nacht einen kollektiven Albtraum beschert. Aus Furcht vor einer zweiten tödlichen Flutwelle waren viele geflohen und hatten Schutz auf Anhöhen gesucht.

Die gewaltigen Erdstöße erschütterten Indonesien drei Monate nach dem verheerenden Seebeben im Dezember. Erneut lag das Epizentrum vor der Westküste der Provinz Aceh. Damals waren bis zu 15 Meter hohe Wellen mit Hunderten von Stundenkilometern über den Indischen Ozean gerast. Von Thailand bis Somalia rissen sie 280 000 Menschen in den Tod, 220 000 davon alleine in Indonesien.

Dort wurde erst am Wochenende die Notversorgungsphase beendet. Statt nun auf den Aceh vorgelagerten Inseln mit dem Wiederaufbau zu beginnen, bemühen sich Hilfsorganisationen nun erneut um die Rettung und die Versorgung Überlebender.

Psychologisch ist das Beben ein weiterer harter Schlag für Acehs ohnehin traumatisierten Bewohner. Die gestrige Massenpanik in der Provinzhauptstadt Banda Aceh hat bei Uno-Vertretern Sorge ausgelöst. Für den Nothilfe-Koordinator Jan Egeland ist sie ein Beispiel für die tiefe mentale Verunsicherung der Bevölkerung. „Das überschattet nicht nur unsere Hilfsbemühungen, sondern auch den Wiederaufbau“, meint er. In Aceh kam es seit Dezember zu mehreren lokal begrenzten Panikausbrüchen. Am Dienstag hatten jedoch erstmals auch die Behörden Alarm geschlagen.

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