Rückschlag für US-Regierung
Bush verliert seinen Justizminister

Der seit Monaten umstrittene US-Justizminister Alberto Gonzales ist zurückgetreten. Er stand wegen der Entlassung mehrerer Bundesanwälte seit längerem auch in den eigenen Reihen in der Kritik. Mit Gonzales verliert Busch bereits den dritten engen Mitarbeiter seit Jahresbeginn.

HB WASHINGTON. Er werde sein Amt am 17. September aufgeben, kündigte Gonzales am Montag in Washington an. Gründe für seine Entscheidung nannte er nicht. Seine Kritiker, die auch aus den Reihen der Republikanischen Partei von Präsident George W. Bush kamen, hatten die Entlassung der Bundesanwälte als parteipolitisch motiviert gebrandmarkt. „Ich habe den amerikanischen Traum gelebt“, sagte Gonzales, der lateinamerikanischer Herkunft ist und sich aus einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet hat. „Selbst meine schlimmsten Tage als Justizminister waren besser als die besten Tage meines Vaters.“ Der 51-jährige Gonzales hatte Bush schon zu dessen Zeit als Gouverneur von Texas gedient und war seit Februar 2005 Minister. Der Präsident wollte sich noch am Montag zum Rücktritt seines Justizministers äußern.

US-Generalstaatsanwalt Paul Clement wird nun einem Regierungsvertreter zufolge vorübergehend die Leitung des Ministeriums übernehmen. Als Nachfolger für den 51-jährigen Gonzales ist Heimatschutzminister Michael Chertoff im Gespräch.

Gonzales hatte mit Bush am Freitag telefoniert und ihm am Sonntag auf dessen Ranch in Texas persönlich das Rücktrittsschreiben übergeben. Der Präsident habe die Entscheidung des Minister nur schweren Herzens akzeptiert, hieß es.

Gonzales ist der dritte enge Mitarbeiter Bushs, der seit Jahresbeginn zurückgetreten ist. Erst vor einer Woche war Präsidentenberater Karl Rove vorzeitig aus dem Amt geschieden. Anfang des Jahres hatte Kommunikationsdirektor Dan Bartlett seinen Posten aufgegeben.

Amtierende und frühere Regierungsmitarbeiter hatten dem ersten Hispanic an der Spitze des Justizministeriums wegen der Entlassung der Bundesanwälte vorgeworfen, den Ruf des Hauses beschädigt zu haben. Die Moral der Mitarbeiter habe gelitten, und seine Beziehungen zu dem von den Demokraten dominierten Kongress seien unheilbar zerrüttet.

Der Justizminister war auch für Äußerungen angegriffen worden, einige Bestimmungen der mehr als 50 Jahre alten Genfer Konvention zum Schutz von Gefangenen seien hinfällig, andere veraltet. Zudem trug ihm seine rückhaltlose Unterstützung für ein umfangreiches Ausforschungsprogramm nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Kritik ein. Bush hatte den aus einfachsten Verhältnissen stammenden Gonzales stets in Schutz genommen und erklärt, sein Justizminister stehe für den sozialen Aufstieg der größten ethnischen Minderheit in den USA.

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