Rückschlag
Serbische Minderheit lehnt Kompromiss ab

Die Krise im Kosovo könnte sich nun doch noch weiter in die Länge ziehen. Die Minderheit der Serben im Nordkosovo lehnt den Kompromiss des serbischen Staatspräsidenten Boris Tadic ab.
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Pristina/BelgradObwohl der serbische Staatspräsident Boris Tadic dem Kompromiss in der Kosovo-Krise zugestimmt hat, lehnt die serbische Minderheit im Norden des Landes die Übereinkunft mit der Kosovo-Regierung ab. „Wir werden die Barrikaden nicht entfernen“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Zvecan, Dragisa Milovic, am Freitagabend der Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug. Damit der zuvor ausgehandelte Kompromiss zwischen Albanern und Serben in Kraft treten kann, müssen die Kosovo-Serben die zahlreichen Barrikaden auf den Transitrouten beseitigen.

Zuvor hatte der serbische Chefunterhändler Borislav Stefanovic vergeblich versucht, die Serben an den Straßensperren für eine Zustimmung zum Kompromiss zu gewinnen. „Das Abkommen, das wir erzielt haben, unterstützen die serbische Regierung und Republikspräsident Tadic“, argumentierte er. „Sicherlich hat das Abkommen Schwächen“, aber Serbien habe seine Kernforderungen durchsetzen können, sagte Stefanovic. Unklar blieb, ob durch das serbische Nein jetzt die gesamte Übereinkunft hinfällig ist.

„Wir haben die volle Kontrolle über unsere Grenzen erreicht“, sagte zuvor Kosovos Regierungschef Thaci nach einer Kabinettsitzung in Pristina. Die Streitparteien sollen an den Verhandlungstisch in Brüssel zurückkehren, um unter Vermittlung der EU den Streit grundsätzlich zu lösen. Die Einigung war vom deutschen Oberbefehlshaber der KFOR-Schutztruppe, Erhard Bühler, vermittelt worden. Nun sollten die Serben die Straßenblockaden im Norden des Kosovos räumen und die KFOR soll die umstrittenen Grenzübergänge Jarinje und Brnjak vorerst allein kontrollieren.

Nach Gewalt mit einem Toten und Verletzten, einem Krieg der Worte und Straßenblockaden ist die aktuelle Krise immer noch nicht beigelegt. Trotz der Entspannung stehen die großen Bewährungsproben noch bevor. Denn schon bisher waren die von der EU vermittelten Gespräche in Brüssel gerade an der Frage gescheitert, die den jüngsten Konflikt ausgelöst hat: Serbien weigert sich beharrlich, die Zollstempel des Kosovos anzuerkennen, und hatte damit einen regelrechten Handelskrieg ausgelöst. Auch am Verhandlungstisch wird Belgrad bei dieser prinzipiellen Position bleiben, weil es sonst einen Schritt in Richtung völkerrechtliche Anerkennung seiner früheren Provinz macht.

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