Rücktritt angekündigt
Blair läutet Rennen um Nachfolge ein

Der britische Premierminister Tony Blair hat seinen Rücktritt binnen eines Jahres angekündigt. Damit reagiert er auf massive Kritik aus der eigenen Partei.

dih/kol LONDON. Der Parteitag der regierenden Labour-Partei in diesem Monat werde sein letzter im Amt sein, sagte Blair am Donnerstag in London. Entgegen den Erwartungen wollte sich der 53-Jährige aber nicht auf einen genauen Zeitplan für seinen Abschied von der Macht festlegen. Britische Medien hatten zuvor berichtet, der Rücktritt vom Amt des Regierungschefs sei für Ende Juli geplant.

Blair stand seit Tagen in der eigenen Partei massiv unter Druck. Aus Protest gegen Blairs Absicht, noch längere Zeit im Amt zu bleiben, hatten sich am Mittwoch acht Staatssekretäre aus der Regierung zurückgezogen. Die Labour-Politiker – alle auch Abgeordnete im Unterhaus – hatten Blair per Brief aufgefordert, einen klaren Zeitplan für seinen Abschied vorzulegen.

„Ich entschuldige mich im Namen der Labour-Partei für unser Verhalten der vergangenen Woche, das war nicht unsere größte Stunde“, räumte Blair gestern ein. Bisher hatte der Regierungschef nur gesagt, er werde zur nächsten Parlamentswahl nicht mehr antreten. Die Wahlen zum Unterhaus finden voraussichtlich 2009, spätestens aber im Mai 2010 statt.

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Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Blair gilt der 55-jährige Schatzkanzler Gordon Brown. Es sind aber auch Innenminister John Reid (59), Bildungsminister Alan Johnson (56) und Umweltminister David Miliband (41) im Gespräch. Brown sicherte Blair gestern Unterstützung für dessen Zeitplan zur Amtsübergabe zu. Entscheidend müsse das Wohl des Landes sein, sagte er.

Abgeordnete zeigten sich in ersten Reaktionen skeptisch, ob Blair so Ruhe in die Partei bringen kann. „Es scheint mir nicht so, als ob die Öffentlichkeit jetzt mehr über die Rückzugspläne des Premierministers wüsste“, sagte der Labour-Abgeordnete Doug Henderson, der als Gefolgsmann Browns bekannt ist. Die Partei brauche eine klare Richtung und eine neue Führungspersönlichkeit, und zwar vor den Regionalwahlen im Mai 2007, forderte er. Medienberichten zufolge haben sich Brown und Blair darauf geeinigt, dass der Regierungschef direkt nach den Regionalwahlen abtritt. Dann hätte er zum einen gerade das zehnjährige Dienstjubiläum hinter sich, und zum anderen könnte er dann noch die Schuld für das voraussichtlich schwache Wahlergebnis auf sich nehmen. Blairs Behörde wies das jedoch als Spekulation zurück.

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