Rücktritt angekündigt
Chef der US-Börsenaufsicht geht

Der Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, William Donaldson, hat am Mittwoch seinen Rücktritt zum Monatsende angekündigt.

HB WASHINGTON. Der republikanische Wall-Street-Banker Donaldson steht seit Anfang 2003 an der Spitze der Behörde. Mit seinem Abgang wird ein Wachwechsel an der Spitze der Behörde in der Nach-Enron-Ära eingeläutet, da auch SEC-Commissioner Harvey Goldschmid im Sommer zurücktreten wird. Die beiden Männer haben in den vergangenen Jahren nach spektakulären Firmenpleiten die Richtung der SEC vorgegeben und dabei kontroverse Reformen durchgesetzt. Ende 2001 war der US-Energie-Handelskonzern Enron unter einer milliardenschweren Schuldenlast zusammengebrochen. Weitere Milliardenpleiten in den USA waren gefolgt.

Donaldson sagte in einer Stellungnahme, es sei für ihn eine Ehre, dass er als Chef der SEC habe arbeiten zu dürfen. „Obwohl immer mehr Arbeit getan werden muss, um die Integrität und Stärke der Unternehmen und Märkte unserer Nation zu bewahren und zu stärken, glaube ich, dass für mich die Zeit gekommen ist, in die Privatwirtschaft und zu meiner Familie zurückzukehren“. Der 73-jährige Investmentbanker hat mit seinen Reformen sowohl die Kritik von Lobbyisten der Wirtschaft als auch der Interessenvertreter der Investoren auf sich gezogen. Während die einen ihn als zu hemdsärmlig kritisierten, war er den anderen zu behutsam. Dagegen warnte der Vertreter der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, Richard Ferlauto, Interessenvertreter der Wirtschaft könnten die Gelegenheit nutzen, einen neuen SEC-Chef durchzusetzen, um die jüngsten wichtigen Reformen von Donaldson und Goldschmid zurückzudrehen.

Analysten sagten, die von Donaldson eingeführten stärkeren Kontrollen hätten ihn bei der Regierung von US-Präsident George W. Bush unbeliebt gemacht. Für diese sei Donaldson eine große Enttäuschung, sagte der ehemalige SEC-Mitarbeiter Christopher Bebel. „Zum Entsetzen der Bush-Regierung hat Donaldson die Vorschriften deutlich verstärkt.“ Auch Chuck Gabriel von der Prudential Equity Group wies auf die Kritik hin. „Er geht sechs bis neun Monate, nachdem die Leute seinen Skalp gefordert haben“, sagte er. „Wer auch immer sein Nachfolger ist, wir werden sehen, ob sie nicht mit jemandem kommen, der weniger offen für Reformen ist.“

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