Rücktritt gefordert
Japan: Lallender Finanzminister unter Druck

Der japanische Finanzminister Shoichi Nakagawa sieht sich nach einem desaströsen Auftritt auf dem G7-Gipfel in Rom mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Der Minister soll auf der Pressekonferenz nach dem Treffen der Finanzminister- und Notenbankchefs betrunken gewesen sein. Die oppositionelle Demokratische Parteis fürchtet um den Ruf des Landes und fordert Konsequenzen.

HB TOKIO. Der Minister wies am Montag die Vorwürfe zurück, er räumte allerdings Fehlverhalten ein. „Es ist Tatsache, dass ich mich nicht richtig verhalten habe und ich das ins Lot bringen muss“, sagte Nakagawa vor der Presse. Ministerpräsident Taro Aso hielt seinem unter Druck geratenen Minister unterdessen offenbar die Stange. Nach einem Treffen mit Aso sagte Nakagawa: „Er hat mich aufgefordert, weiter meine Pflichten zu erfüllen.“

Die oppositionelle Demokratische Partei will notfalls im Parlament einen Misstrauensantrag stellen, falls der Minister nicht seinen Hut nimmt. Der Minister hatte auf der Pressekonferenz mit lallender Stimme gesprochen. Er war derart indisponiert, dass er sogar eine an den Notenbankchef gerichtete Frage beantworten wollte. Dabei hielt er den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen.

Von Parlamentariern auf die Ausfälle angesprochen räumte der Minister ein, dass er beim Essen am Wein genippt habe. „Ich habe aber nicht einmal ein Glas getrunken“, versicherte der Minister. Er habe zudem zu viele Medikamente eingenommen um eine Erkältung zu bekämpfen. „Das ist Fakt und es tut mir leid.“ sagte er. Dem Parteigeneralsekretär der Demokraten, Yukio Hatoyama, reicht die Entschuldigung des 55-jährigen Ministers nicht aus. „Ich denke, er sollte sofort entlassen werden“, sagte Hatoyama. „Er hat den Ruf des Landes beschädigt.“

Auch in der eigenen Liberaldemokratischen Partei geriet der Minister unter Druck. Der frühere Ministerpräsident Yoshiro Mori sagte im Fernsehen, er habe Nakagawa bereits früher auf dessen Alkoholkonsum angesprochen: „Da er wirklich gerne trinkt, habe ich ihm geraten, damit vorsichtig zu sein.“ Die Affäre um die Ausfälle des Ministers, die im Internet in zahlreichen Videos die Runde machten, kommen für den Regierungschef zu einem zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Er sieht sich mit stark gesunkenen Popularitätswerten konfrontiert, während die spätestens im Oktober anstehenden Wahlen immer näher rücken. Japan steht auch wirtschaftlich nicht gut da: In der weltweiten Krise hat das Land Ende vorigen Jahres den größten Konjunktureinbruch seit der Ölkrise im Jahr 1974 erlitten.

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