Rücktritt
Spanischer Minister stolpert über Jagdausflug

Dass sich der spanische Justizminister mit einem Untersuchungsrichter zur Jagd trifft, ist an sich nichts Besonderes. Pikant ist die Sache aber deshalb, weil dieser Richter in einem Politiker-Korruptionsskandal ermittelt. Der Ausflug wurde als Versuch der Einflussnahme auf den Richter gewertet und kostet den Minister nun sein Amt..

HB MADRID. Der spanische Justizminister Mariano Fernández Bermejo hat am Montag seinen Rücktritt erklärt. Der 61-jährige Politiker zog damit die Konsequenz aus der öffentlichen Kritik an einem Jagdausflug, den er zusammen mit dem Untersuchungsrichter Baltasar Garzón unternommen hatte.

Der Ausflug war als Versuch der Einflussnahme auf den Richter gewertet worden. Garzón leitet die Ermittlungen in einer Korruptionsaffäre, in die mehrere Politiker der oppositionellen Volkspartei (PP) verwickelt sein sollen. Fernández Bermejo hatte der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero seit zwei Jahren angehört.

Als die Jagdpartie publik wurde, hatte die konservative PP sogleich den Verdacht geäußert, auf der Pirsch kungele der Minister mit dem Richter aus, wie der politische Gegner mit Korruptionsvorwürfen in Verruf gebracht werden könne. Der PP-Parlamentarier Federico Trillo hielt den beiden Hobbyjägern vor: "Bei Ihnen sieht es ganz so aus, als visierte der eine das Ziel an und der andere drückte ab."

Damit nicht genug. Es stellte sich zudem heraus, dass Fernández Bermejo ("Mit dem Jagdgewehr verstehe ich umzugehen") zwar ein erfahrener Weidmann ist, für die südspanische Region Andalusien aber keinen Jagdschein besitzt. Nun droht dem Minister eine Geldbuße von bis zu 4000 Euro. Obendrein muss sich der 61- Jährige von den Konservativen als "Wilddieb" verhöhnen lassen. Den regierenden Sozialisten (PSOE) ist die Sache äußerst peinlich.

"Ein Minister sollte bei einer Jagd die erforderliche Lizenz besitzen, ebenso wie man zum Autofahren einen Führerschein benötigt", meinte der PSOE-Vizeparteichef José Blanco. Der Justizminister wird, so vermutet die Madrider Presse, nach der nächsten Kabinettsumbildung der Regierung nicht mehr angehören. Eine sofortige Entlassung lehne Zapatero ab, weil er der PP den Triumph nicht gönne.

Fernández Bermejo, einst ein erfolgreicher Staatsanwalt, ist dafür bekannt, dass er Konflikten nicht aus dem Wege geht. Mit seiner ruppigen Art brachte er Spaniens Richter gegen die Regierung auf, so dass diese erstmals in der Geschichte des Landes in den Streik traten.

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