Rückzahlung von Goldanleihen
US-Anwalt Fagan plant Milliardenklage gegen Deutschland

Im Streit um Goldanleihen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg will der US-Opferanwalt Ed Fagan Deutschland auf die Zahlung von mehreren Milliarden Euro verklagen.

HB FRANKFURT. Ed Fagan gibt sich siegesgewiss. „Niemand behauptet, wir mögen die Deutschen nicht. Aber - gebt mir mein Geld zurück“, sagt der umstrittene US-Opferanwalt bei der Ankündigung seiner milliardenschweren Klage gegen die Bundesrepublik. In seiner Hand hält er eine Anleihe, die Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg an Bürger in den USA verkauft hatte - und nach Auffassung von Fagan zu Unrecht nie eingelöst hat.

Für manche ist das Papier nur ein historisches Schriftstück. Nach Meinung von Fagan hat jedes der auf 1000 US-Dollar lautenden Papiere dagegen heute einen Wert von durchschnittlich 500 000 Euro - einschließlich Zins und Zinseszins und unter Berücksichtigung des massiv gestiegenen Goldpreises, auf den sich die Anleihen damals bezogen. „Diese Klagen könnten teurer als die Restitution für den Holocaust werden“, sagte Fagan. Allein die Gruppe von US-Bürgern, die er vertrete, besitze Papiere mit einem Wert von rund acht Milliarden US-Dollar.

Der Streit um die teils 80 Jahre alten Anleihen ist komplex. Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland Reparationen zahlen und zugleich den Wiederaufbau finanzieren. Dazu wurden Anleihen in den USA ausgegeben, die auf Gold- und Dollar-Basis verzinst wurden und über Jahre zurückgezahlt werden sollten. Die bekanntesten sind die Dawes- und Young-Anleihen, benannt nach US-Senatoren. Neben dem Deutschen Reich nahmen auch Kommunen und Firmen auf diese Weise Kredite auf.

Doch die Zahlung der Zinsen wurde schon wenig später eingestellt, als die Nationalsozialisten mit Adolf Hitler an die Macht kamen. Die Papiere galten zunächst als wertlos. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1953 in London eine Umschuldung vereinbart, bei denen die US-Anleger allerdings sehr schlechte Konditionen akzeptieren mussten, wie Fagan sagt. Wer diesen Umtausch der Anleihen nicht annahm, habe mit seinen Ansprüchen laut Londoner Vertrag bis zur kompletten Rückzahlung der vorrangigen getauschten Anleihen warten müssen - und damit etwa bis 1994.

Jedenfalls habe sich Deutschland 1953 zu den Schulden bekannt und zu Rückzahlungen verpflichtet, sagt der Frankfurter Sachverständige Hans-Georg Glasemann, der ein Buch über die Papiere verfasst hat und Fagan unterstützt. Nur wenige Experten würden die Verjährungsfristen, Ablöseverfahren und Rechtsverhältnisse heute noch kennen. In Berlin ist das Bundesfinanzministerium dagegen zuversichtlich, dass die Klage von Fagan keine Chance hat. „Es ist nicht das erste Mal, das Herr Fagan versucht, mit derart unsinnigen Klagen und Inszenierungen öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen“, meinte ein Sprecher.

Für Fagan hat die Bundesregierung einen einsichtigen Grund, die Forderungen nicht anzuerkennen. Die Summe der Ansprüche sei zu hoch. Er vertritt nur einige Eigentümer der alten „Gold-Bonds“ - die tatsächlich von Deutschland zu zahlende Summe könnte noch ein vielfaches der geforderten acht Milliarden US-Dollar betragen. „Für Deutschland wäre das die finanzielle Katastrophe“, sagt der Anwalt.

Fagan gilt als einer der am meisten gefürchteten US-Anwälte in spektakulären Verfahren. Von den Nazis geraubte Kunstwerke, die Kaprun-Tragödie in Österreich oder die Interessen von Aktionären der ehemaligen I.G. Farben gehören zu den zahlreichen Themen, denen sich der Anwalt annahm. Im Fall der Anleihen tritt er dieses Mal auch in eigener Sache auf, da er einige Papiere selbst erwarb. Für seine Gegner ist es oft schwierig, nach US-Recht vor amerikanischen Gerichten mitzuhalten. Sicher ist dann meist nur eines: Die Prozesse können über Jahre dauern - und werden teuer.

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