Rückzug bei der Nato
Skandal-General Allen will abdanken

Vor einigen Monaten war General John Allen wegen „unangemessener E-Mails“ in die Schlagzeilen geraten. Nun will der designierte Oberbefehlshaber sein Amt nicht antreten.
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BrüsselDer designierte Nato-Oberkommandeur John Allen zieht seine Kandidatur zurück. Der US-General habe dem Präsidenten Barack Obama mitgeteilt, dass er „aus gesundheitlichen Gründen innerhalb seiner Familie“ aus dem Militär abdanken wolle, teilte das Weiße Haus am Dienstag in Washington mit.

Er wolle seiner Frau im Kampf gegen mehrere chronische Krankheiten beistehen, hatte Allen am Sonntag in einem Interview der „Washington Post“ gesagt. Bereits vergangene Woche hatte es Gerüchte gegeben, wonach Allen wegen der Affäre um angeblich „unangemessene“ E-Mails an eine Freundin des ehemaligen CIA-Chefs David Petraeus zurücktreten wolle.

Die Nato erklärte auf Anfrage, sie respektiere Allens Rücknahme der Kandidatur. Nato-Sprecherin Oana Lungescu erklärte, Allen habe während seiner Zeit als Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe Isaf „großartige Führungskraft“ an den Tag gelegt. Die NATO wünsche Allen sowie seiner Familie alles Gute für die Zukunft, hieß es in der Erklärung weiter. Die NATO lobte zudem Allens Arbeit als Kommandeur der ISAF-Truppen in Afghanistan. In dieser Rolle habe er einen "großartigen Führungsstil" bewiesen.

Nun müssten die USA einen neuen Kandidaten bestimmen. „Die Auswahl eines neuen Kandidaten (...) ist eine nationale Entscheidung“, erklärte Lungescu. Über den Vorschlag würden die 28 Nato-Staaten dann beraten. Auch der amtierende Oberbefehlshaber in Europa, Admiral James Stavridis, mache „einen großartigen Job“.

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor erklärt, er habe die Entscheidung Allens nach einem Treffen mit ihm am Dienstag akzeptiert.

Im Schlussspurt um den Nato-Befehl drohte die E-Mail-Affäre Allen wieder einzuholen. In einem Bestätigungsverfahren im US-Senat hätte die Opposition die Mails wieder zum Thema machen können. Der Sender NBC berichtete vergangene Woche, dass der 59-Jährige möglicherweise seiner Familie die damit verbundene Berichterstattung ersparen wolle. Das US-Verteidigungsministerium war seinerzeit zu dem Schluss gekommen, dass sich Allen nicht standeswidrig verhalten habe.

Allen diente in den vergangenen anderthalb Jahren als Isaf-Kommandeur in Afghanistan und war im Oktober für den prestigeträchtigen Nato-Spitzenjob vorgeschlagen worden. Der 59-Jährige war vorige Woche aus Afghanistan zurückgekehrt, nachdem er die Befehlsgewalt an seinen Nachfolger Joseph Dunford übertragen hatte.

Allens Rückzug gilt als ein weiterer Rückschlag für Obama bei der Besetzung wichtiger Posten im Militärbereich. Die Nominierung des Verteidigungsministers Chuck Hagel war im Senat nicht wie geplant durchgekommen, General Petraeus war im Zuge des Mail-Skandals als CIA-Chef zurückgetreten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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