Rückzugspolitik Israels
Kampf ums biblische Land

Ein Kern der Siedler will im Gaza-Streifen bleiben und demonstriert Entschlossenheit. Ab Mitte August will Scharon aber die Siedlungen räumen lassen. Die bewohnten Teil des Gaza-Streifens wurden bereits zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

MORAG. Wir werden es nicht zulassen, dass die Soldaten uns hier rausholen." Chaim Gross demonstriert Selbstsicherheit. Der Israeli wohnt in Morag, einer Siedlung im Süden des Gaza-Streifens. Die rund 8 000 Siedler hier sind mehrheitlich religiös und halten nichts vom Rückzugsplan der Regierung - "Vertreibung" sei das. Immer offener zeigen sie ihren Unmut. Rund 20 000 jüdische Siedler und ihre Anhänger haben am Montagabend nahe der Stadt Netivot gegen Scharons Abzugspolitik demonstriert. Die Regierung hatte zuvor Tausende Polizisten und Soldaten in Bereitschaft versetzt, um eine Großdemonstration gegen den Abzug aus Gaza zu stoppen - ohne Erfolg. In den nächsten Tagen wollen die Demonstranten trotz Verbots zu den Siedlungen im Gaza-Streifen marschieren.

Doch Premier Ariel Scharon lässt nicht locker: Ab Mitte August will er die Siedlungen räumen lassen. Um das Eindringen jüdischer Extremisten zu verhindern, die sich dem Rückzug widersetzen, hat er den von Siedlern bewohnten Teil des Gaza-Streifens jüngst zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

Siedler Gross tut, als ginge ihn das alles nichts an. Er hat für sich soeben einen neuen Kühlschrank gekauft, er renoviert Häuser und baut neue Gebäude, weil er weitere Familien für die Siedlung Morag gewinnen will. Allein in den vergangenen drei Monaten sind fünf hinzugekommen. Vor einer Woche erst zog eine zehnköpfige Familie hierher. Sie wollen den Scharon-Plan bekämpfen, "denn die Regierung hat vom Volk kein Mandat erhalten, biblisches Land aufzugeben".

Für die 1,3 Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen, die seit 1967 unter israelischer Herrschaft leben, bedeutet der geplante Rückzug das Ende der Besatzung. Nicht so viele religiöse Juden, sie betrachten den Gaza-Streifen als Teil des biblischen Israels. Auch aus strategischen Gründen dürfe man das Gebiet nicht aufgeben, schließlich schütze er doch den Süden Israels vor Angriffen der Palästinenser, sagt denn auch Siedler Gross.

Seite 1:

Kampf ums biblische Land

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%