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Rüstungsauftrag: Wer darf Indien 126 Kampfflugzeuge liefern?

Die an Intrigen gewöhnte Rüstungsbranche steht vor einer nie dagewesenen Schlammschlacht: Sechs Bieter ringen mit allen Mitteln um das derzeit weltweit größte Rüstungsgeschäft, geschätztes Auftragsvolumen 7,5 Milliarden Euro. Wer den Zuschlag für die 126 indischen Kampfflugzeuge bekommt, hat auf Jahre hinaus volle Auftragsbücher.

von Helmut Hauschild
Gripen-Kampfjet der Marke Saab aus Schweden. Der schwedische Gripen und Lockheeds F-16 haben gute Chancen, den Zuschlag zu bekommen. Quelle: Reuters
Gripen-Kampfjet der Marke Saab aus Schweden. Der schwedische Gripen und Lockheeds F-16 haben gute Chancen, den Zuschlag zu bekommen. Quelle: Reuters

NEU-DELHI. Die Operation ist streng geheim, das Verteidigungsministerium in Neu-Delhi verweigert jede Auskunft. Am Wochenende landeten zwei Kampfflugzeuge vom Typ Boeing F/A-18 auf der Luftwaffenbasis im südindischen Bangalore. Ihre Ankunft läutet die heiße Phase im Wettstreit um das weltweit größte Rüstungsgeschäft ein, das zurzeit zu vergeben ist. Indien plant in den kommenden Jahren den Kauf von 126 Mehrzweck-Kampfflugzeugen. Geschätztes Auftragsvolumen: mindestens 7,5 Mrd. Euro.

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Mit dem Flugzeug aus dem Hause Boeing beginnt Indiens Air Force eine Serie von Testflügen, deren Ergebnis über den Zuschlag für das Milliardengeschäft entscheiden soll. Ihre fünf Konkurrenten sind die F-16 des US-Herstellers Lockheed Martin, die russische MiG-35, die Rafale des französischen Rüstungskonzerns Dassault, der Gripen von Saab aus Schweden und schließlich der teilweise in Deutschland gebaute Eurofighter. Wer gewinnt, ist völlig offen. Doch eines gilt in Branchenkreisen als sicher: Das Ringen um den Megadeal wird eine der schmutzigsten Schlammschlachten, welche die an Intrigen und Fouls gewöhnte Rüstungsbranche jemals erlebt hat. Denn er sichert dem Gewinner nicht nur auf Jahre hinaus volle Auftragsbücher, er ist auch politisch von höchster Brisanz.

Einen Vorgeschmack darauf gaben bereits die vergangenen Monate. Als das Verteidigungsministerium zu Jahresbeginn die französische Rafale angeblich wegen eines schlampig erstellten ersten Angebots aus dem Rennen werfen wollte, intervenierte Staatspräsident Nicolas Sarkozy höchstpersönlich bei Indiens Premierminister Manmohan Singh. Mit Erfolg. Der französische Kampfjet ist wieder im Rennen. Im Juni dann berief Lockheed Martin Hals über Kopf seinen Indien-Statthalter ab, nachdem bekannt geworden war, dass sich das US-Unternehmen offenbar illegal Geheimdokumente der indischen Regierung über den Auswahlprozess verschafft hatte.

Das Verteidigungsministerium betont, maßgeblich für die Auswahl des Jets seien allein ein umfangreicher Kriterienkatalog und der Preis. Wer alle Anforderungen erfülle und das billigste Angebot mache, der werde den Zuschlag erhalten. In diesem Fall hätten der schwedische Gripen und Lockheeds F-16 gute Chancen, denn sie haben nur ein Triebwerk und sind damit deutlich billiger als ihre zweistrahligen Wettbewerber.

Doch unter Verteidigungsexperten gilt als ausgemacht, dass auch politische Erwägungen bei der Vergabe eines so gewichtigen Rüstungsauftrags eine zentrale Rolle spielen werden. Die denkbaren Zusatzwünsche Indiens, die freilich niemals öffentlich mit dem Kampfflieger-Deal in Verbindung gebracht würden, könnten von enger militärischer Kooperation bis zur Unterstützung Neu-Delhis bei der Bewerbung um einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat reichen.

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