Rüstungsindustrie erschließt sich neue Märkte
Weniger Kanonen, mehr Software

Umrüsten statt abrüsten – so lässt sich der aktuelle Trend in europäischen und amerikanischen Rüstungsschmieden umschreiben. Selbst wenn die Militärbudgets in Europa eher stagnieren als wachsen: „In Rüstungsgüter wird weiter investiert“, sagt Ian Anthony, Research Director am Stockholm International Peace Research Institute, Sipri.

DÜSSELDORF. Der Grund: Nachdem den Armeen des Westens nach Ende des Kalten Kriegs der Gegner abhanden gekommen ist, müssen sie sich angesichts der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus neu aufstellen. Diese neue Aufgabe verlangt auch nach neuen Produkten – vom Sensor, der den Feind in der Nacht erkennt, bis zum Taschencomputer, der dem Soldaten im Straßenkampf zeigt, an welcher Kreuzung er gerade steht.

Das Ende des Kalten Kriegs hatte die Rüstungsindustrie durcheinander gewirbelt: Während 1987 nach Angaben des Bonn International Center for Conversion (BICC) weltweit noch rund 17 Millionen Menschen im Wehrsektor arbeiteten, ist es heute rund die Hälfte. Die Firmen mussten erhebliche Kapazitäten abbauen – auch mit Hilfe von Übernahmen: Allein von 1990 bis 1998 konnten die fünf größten Rüstungsunternehmen der Welt ihren Marktanteil verdoppeln. Was auf dem US-Rüstungsmarkt – der nach den Anschlägen vom 11. September von einer einmaligen Finanzspritze profitierte – gelang, hat in Europa mit der Bildung der EADS, der britischen BAE Systems oder des Raketen-Herstellers MBDA erst viel später eingesetzt.

Heute sucht die Branche daher intensiv nach neuen Märkten und internationalen Kooperationen, um den knappen heimischen Budgets zu entgehen: Nicht nur in den USA wachsen die Rüstungsausgaben, auch in Asien und im Mittleren Osten steigen die Militärbudgets – die weltweit angespannte Sicherheitslage fordert ihren Tribut. Dabei eröffnen sich Chancen, die die Zukunft nicht gar so schwarz erscheinen lassen, wie sie manche deutschen Rüstungs-Lobbyisten gerne malen. Wer heute im Geschäft sein will, muss sich der „Revolution of Military Affairs“, kurz RMA, anschließen: weniger schwere Waffen, weniger Soldaten und dafür mehr Flexibilität – und vor allem mehr Informationstechnologie. „Was an Hardware ausfällt, kann manchmal durch Software und Vernetzungstechnologie ersetzt werden“, meint Burkhard Theile, wehrtechnischer Chefstratege bei Rheinmetall.

Weniger Kanonen, mehr Elektronik – die Rüstungsstrategen halten sogar völlig neue Geschäftsmodelle für möglich: In Krisen greifen Politik oder Militär auf Industrieberater zurück, die Szenarien und Lösungsansätze erarbeiten und Simulationssysteme liefern. Auch Europas Armeen haben sich inzwischen dem Trend zum Ausgliedern von Aufgaben – „outsourcing“ – angeschlossen.

Seite 1:

Weniger Kanonen, mehr Software

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%