Ruf nach Euro-Bonds: EFSF-Anleihe setzt Regierung unter Druck

Ruf nach Euro-Bonds
EFSF-Anleihe setzt Regierung unter Druck

Die erste Anleihe des Euro-Rettungsfonds EFSF hat reißenden Absatz gefunden. Wirtschaftsminister Brüderle begrüßt das große Interesse der Investoren. Nun aber lechzen die Finanzmärkte nach dem, was die Bundesregierung bekämpft: Euro-Bonds.
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Frankfurt/Berlin„Das zeigt, dass das Vertrauen in die europäische Handlungsfähigkeit ganz offensichtlich da ist“, sagte Rainer Brüderle am Dienstag in Berlin zum starken Interesse an der ersten Anleihe des Euro-Rettungsfonds EFSF. „Und das bestärkt mich eigentlich in meiner Einschätzung, dass das Volumen, was als Rettungsschirm vorgesehen ist, hinreichend ist.“ Brüderle wird jedoch auch klar sein, dass die Anleger damit die erste Hürde für einen Euro-Bond aus dem Weg geräumt haben.

Nach der gelungenen Premiere könnten die Anleihen des europäischen Rettungsfonds EFSF am Rentenmarkt ein Dauerbrenner werden - und zwar über mehrere Spielzeiten. „Bei einer solchen Erfolgsstory wird der Ruf nach einer Verstärkung des Fonds oder gar einem gemeinsamen Euro-Bond aller Euro-Länder noch zunehmen“, meint ein Börsianer. Die Anleger rissen die Papiere der EFSF förmlich aus den Händen. Der Rettungsfonds wollte fünfeinhalb Milliarden Euro aufnehmen, angeboten wurden ihm aber mehr als 40 Milliarden Euro, wie aus Marktkreisen verlautete.

„Das war die letzte Bestätigung dafür, dass der EFSF bei den Anlegern ein hoch angesehener Emittent ist“, erklärt Unicredit-Rentenstratege Kornelius Purps. „Das ist vielleicht schon ein Schritt in Richtung Euro-Bond“, fügt Helaba-Analyst Ralf Umlauf hinzu. Der erste Probelauf sei jedenfalls gelungen.

Somit dürfte die Fraktion der Eurobond-Befürworter um Luxemburgs streitbaren Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker ein neues Argumente für ihre Position haben. Ob sich allerdings die Gegner um Bundeskanzlerin Angela Merkel - die heute zum Abendessen EU-Kommissionspräsident Barroso empfängt - davon überzeugen lassen, bleibt offen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) kann bislang der Idee eines E-Bonds - wie eine gemeinsame Anleihe aller Euro-Länder am Rentenmarkt inzwischen getauft wurde - wenig abgewinnen.

Mit der Anleihe der „Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität“ - das Wortungetüm verbirgt sich hinter der Abkürzung EFSF - ist die Euro-Zone erstmals als Einheit am Kapitalmarkt aufgetreten. „Übernationale Papiere mit einer Rating-Bestnote sind rar gesät. So etwas will jeder im Portfolio haben“, erklärt ein Händler. Käufer seien vor allem institutionelle Anleger wie Versicherungen, Banken und Pensionsfonds. Dass im Vorfeld Japan ankündigte, die Papiere kaufen zu wollen, verwunderte an der Börse niemanden. „Angewiesen war der EFSF darauf aber nicht.“

Rettungsfonds-Chef Klaus Regling will es bei dem einen Papier nicht belassen: für 2011 strebt er eine Kapitalaufnahme von 16,5 Milliarden Euro an und für 2012 von zehn Milliarden Euro. Sollten alle Anleger, die am Dienstag leer ausgegangen sind, erneut kaufen wollen, dürfte die Platzierung kein Problem darstellen. Die Rendite für die fünfjährige erste Emission des EFSF liegt mit etwas mehr als 2,70 Prozent über der entsprechenden deutschen Bundesanleihe, die derzeit 2,30 Prozent beträgt. „Die Anleihe war super attraktiv“, sagte ein Händler.

Dennoch muss der Bund nicht fürchten, künftig an den Kapitalmärkten von den Anlegern gemieden zu werden - zumindest vorläufig nicht. Denn ein wesentlicher Hemmschuh für den Neuling ist die Handelbarkeit im Vergleich zu den gängigen Länder-Anleihen aus Frankreich oder Deutschland. „Sie wird weniger Liquidität als die deutschen Bundesanleihen oder die französischen Papiere haben, allerdings wird es am Sekundärmarkt eine ordentliche Liquidität geben“, vermutet WestLB-Analyst Michael Leister. Dafür dürfte schon die noch für das erste Halbjahr angepeilte zweite EFSF-Anleihe sorgen. Denn die Banken wollten sich eine gute Ausgangsposition dafür schaffen.

Mit dem ESM - dem „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ - steht der Nachfolger in den Startlöchern. Sollten auch die weiteren Anleihen des EFSF gut ankommen, könnten sich diese - im Nachhinein - als Wegbereiter für den E-Bond entpuppen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn nicht nur in Berlin ist man skeptisch, da man den Gläubigern mehr Zins als bislang zahlen müsste. In Athen oder Dublin fürchten die Regierungen um die Souveränität in der Haushaltspolitik. „Die Politik ist noch nicht so weit, aber die neuen Anleihen sind ein gutes Omen“, erklärt ein Börsianer. Die Anleger haben jedenfalls die erste Hürde für einen E-Bond aus dem Weg geräumt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Gero Brandenburg
Gero Brandenburg
Handelsblatt Online / Redakteur

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