Rumsfeld-Nachfolger
Robert Gates – ein schweigsamer Profi

Seine Memoiren hat er eigentlich schon geschrieben. In Ruhestand gehen wird Robert Gates aber vorerst nicht: 27 Jahre in Diensten der US-Regierung machen den designierten US-Verteidigungsminister nach Meinung von Präsident Bush zum richtigen Mann, um die militärische Krise im Irak zu lösen.

NEW YORK. In seinem 1996 veröffentlichten Buch "The Ultimate Insider's Story of Five Presidents and How They Won the Cold War" zieht der heute 63-Jährige eine Bilanz seiner 27 Jahre in Diensten der US-Regierung. Die Kenntnisse, die er dabei gewonnen hat, machen ihn nach Meinung von Präsident Bush zum richtigen Mann, um die militärische Krise im Irak zu lösen.

Der in Wichita/Kansas geborene Gates gilt als ausgesprochener Profi in Fragen der nationalen Sicherheit. Beobachter beschreiben ihn als Mann mit großer Selbstdisziplin. Verbale Attacken à la Rumsfeld sind ihm fremd. Gates verliert kein Wort zu viel, Small Talk ist ihm ein Graus. Einer größeren Öffentlichkeit wurde er als CIA-Direktor unter Bushs Vater in der Zeit zwischen 1991 und 1993 bekannt. In der ersten Bush-Administration arbeitete er eng mit dem damaligen Sicherheitsberater Bent Scowcroft zusammen, der als ein ausgewiesener Kritiker des Irak-Kriegs gilt. Gates außenpolitische Ansichten gelten als moderat.

Der heutige US-Präsident berief ihn in die parteiübergreifende Kommission, die unter Führung des ehemaligen US-Außenministers James Baker und des Demokraten Lee Hamilton Vorschläge für einen Ausweg aus der Irak-Krise ausarbeiten soll. Im Januar reiste Gates zusammen mit Baker nach Bagdad, um sich ein Bild über die Lage zu machen.

Der Pentagon-Chef in spe wurde bereits während seines Studiums an der Indiana University von der CIA angeworben und arbeitete sich als Experte für den Kalten Krieg bis in die Spitze des Geheimdienstes nach oben. 1974 verließ er die CIA, um erst unter den Präsidenten Richard Nixon, Gerald Ford und später unter dessen Nachfolger Jimmy Carter im Weißen Haus zu arbeiten. Seine Verwicklung in die Iran-Contra-Affäre in den 80er-Jahren hinterließ einen Schatten auf der ansonsten weißen Weste.

Präsident Bush versuchte Gates im vergangenen Jahr für den neu geschaffenen Posten des Geheimdienstkoordinators zu gewinnen. Doch der Veteran zog es damals noch vor, als Präsident der Texas A&M (Agricultural & Mechanical) University in College Station zu bleiben. Dort leitet er seit 1999 die George Bush School of Government and Public Service. Dem jüngsten Ruf aus Washington konnte sich Gates jetzt nicht mehr entziehen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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