Rund ein Viertel der Agrarbetriebe dürfte überleben
Polens Landwirtschaft vor dem Umbruch

Der polnische Agrarsektor steht vor einem Umbruch. Branchenkenner erwarten, dass sich mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union in der polnischen Landwirtschaft die Spreu vom Weizen trennen wird. Es wird erwartet, dass sich eine führende Gruppe von etwa 100 000 modernen bäuerlichen Produktionsbetrieben herausbilden wird. Weitere 300 000 bis 400 000 könnten ebenfalls auf dem künftigen Markt bestehen – derzeit gibt es rund zwei Millionen polnische Bauern.

rev WARSCHAU. In der Gazeta Wyborcza hieß es: „Unsere ursprüngliche Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. Die Bauern betrachten die EU-Mittel nicht als Sozialhilfe sondern als Investitionsmittel.“

Viele Landwirte haben die Zeichen der Zeit erkannt. Massiv investieren sie EU-Geld, um ihre landwirtschaftlichen Betriebe zu modernisieren. Davon profitieren die Hersteller von Landmaschinen, die Düngemittelproduzenten, die Baufirmen und die Genossenschaftsbanken. „Das polnische Dorf erwacht“ schrieb Polens größte Tageszeitung Gazetwa Wyborcza. Die polnische EU-Kommissarin Danuta Hübner meinte, viele Bauern in ihrem Land sähen große Chancen im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik der EU.

Die Investitionswut der polnischen Bauern hat sogar dem fast bankrotten polnischen Landmaschinenhersteller Ursus nahe Warschau wieder auf die Beinen geholfen. Seit Jahresbeginn hat er weitaus mehr Traktoren verkauft als im vergangenen Jahr. „Die Finanzmittel aus dem EU-Förderprogramm Sapard haben uns gerettet", schwärmte Ursus- Sprecherin Maria Bienkowska. Auch der deutsche Hersteller Deutz-Fahr hat mit gut 11 000 seit Jahresbeginn verkauften Traktoren schon das Jahresergebnis von 2003 erreicht. Polnische Produzenten von landwirtschaftlichen Geräten wie Sipmy in Lublin verzeichnen ebenfalls Steigerungsraten von etwa 40 Prozent.

Ähnlich lauten die Erfolgsmeldungen aus der polnischen Chemieindustrie. So hat das Stickstoffwerk im ostpolnischen Pulawy, Polens führender Hersteller von Düngemitteln, seinen Verkauf gegenüber 2003 kräftig steigern können. Mittlere und kleine Baufirmen des Landes profitieren davon, dass viele Bauern moderne Ställe und Produktionsanlagen errichten lassen. Und die Genossenschaftsbanken gerade in den ländlichen Gebieten freuen sich, weil Landwirte verstärkt Konten einrichten. So hieß es bei der größten dieser Banken in Krakau, seit Jahresbeginn habe man die Zahl der Konten um über 5 000 steigern können. Die ertragsstärksten unter den polnischen Bauern haben außerdem begonnen, massiv Land zuzukaufen.

Vor Beginn der EU-Mitgliedschaft am 1. Mai 2004 hat die polnische Landwirtschaft insgesamt 4,7 Mrd. Zloty (etwa 1 Mrd. Euro) im Rahmen des EU-Förderprogramms Sapard erhalten, davon etwa 1,2 Mrd. Zloty jährlich. Hinzu kamen Hilfen des polnischen Staates von über 730 Mill. Zloty jährlich. Seit dem EU-Beitritt profitieren die polnischen Bauern von den Zuwendungen im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik der EU, deren Ausmaß noch nicht genau abschätzbar ist. Nach Angaben der Staatlichen Agentur für die Restrukturierung und Modernisierung der polnischen Landwirtschaft haben bislang 100 000 Bauern Sapard-Mittel in Anspruch genommen.

In den Medien hieß es außerdem, etwa 800 000 der insgesamt 2 Mill. polnischen Landwirte hätten Anträge auf Direkthilfen aus EU-Mitteln gestellt. Das entspricht etwa der Anzahl der Bauern, die nicht nur Subsistenzwirtschaft betreiben, sondern ihre Produkte auch auf den Markt bringen.

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