Rundfunkanstalt bleibt hart
Blair greift BBC wegen Irak-Bericht an

Der britische Premierminister Tony Blair hat die Rundfunkanstalt BBC wegen eines Berichts attackiert, wonach die Regierung die Öffentlichkeit über die wahren Gründe für den Irak-Krieg getäuscht haben soll. Blair nannte dies in einem Interview mit der Sonntagszeitung „The Observer“ absurd und „den schlimmstmöglichen Angriff auf meine Integrität“. Downing Street verlangt von der BBC nach den Angaben einen vollständigen Widerruf.

HB/dpa LONDON. Die BBC blieb jedoch hart. Der Verwaltungsrat der Rundfunkanstalt stellte sich in einer Stellungnahme nach einer Krisensitzung mit Programmverantwortlichen am Sonntagabend hinter einen seiner Reporter, der im Mai unter Berufung auf eine nicht näher genannte Geheimdienstquelle berichtet hatte, die Regierung habe ein Geheimdienstdossier über die Gefährlichkeit Saddam Husseins und dessen angeblichn vorhandene Massenvernichtungswaffen aufgebauscht. Der Verwaltungsrat kam zu dem Schluss, dass sich die an der Berichterstattung Beteiligten korrekt verhielten.

Blair sagte in dem Zeitungsinterview zu den Vorwürfen: „Es kann keine schlimmere Anschuldigung geben, als zu behaupten, ich hätte auf Grund von mir selbst verfälschter Geheimdienstinformationen unseren Truppen den Befehl gegeben, in den Krieg zu ziehen.“ Die Vorwürfe seien falsch, sagte Blair.

An diesem Montag will ein parteiübergreifender Untersuchungsausschuss des britischen Unterhauses einen Bericht zu den Vorgängen vorlegen. Nach britischen Zeitungsberichten sind die Parlamentarier zu dem Schluss gekommen, dass die Regierung die vom Irak ausgehende Gefahr nicht übertrieben hat. Der frühere Chef der UN-Waffeninspektoren, Hans Blix, äußerte sich in einem BBC-Interview skeptisch.

Der BBC-Reporter Andrew Gilligan hatte am 29. Mai berichtet, ein vor dem Krieg veröffentlichtes Dossier über die Gefährlichkeit Saddams sei von Downing Street absichtlich dramatisiert worden ist. Gegen den Willen der Geheimdienste, auf deren Informationen der Bericht beruhte, sei dort geschrieben worden, einige der irakischen Massenvernichtungswaffen könnten innerhalb von nur 45 Minuten einsatzbereit sein. Downing Street-Informationschef Alastair Campbell hatte die BBC daraufhin der Lüge bezichtigt und eine Entschuldigung verlangt.

Blix betonte am Sonntag in einem BBC-Interview, er habe keinerlei Beweise dafür finden können, dass Saddam Massenvernichtungswaffen besessen habe, die innerhalb von 45 Minuten einsatzbereit sein könnten. Tatsächlich habe man ja nicht einmal zu dem Schluss gelangen können, dass es überhaupt solche Waffen im Irak gebe, auch wenn dies nicht auszuschließen sei, sagte Blix. Zu britischen und US- Geheimdienstberichten sagt er, es sei schon „ein wenig merkwürdig, dass sie 100 % sicher waren, dass sie (die Iraker) Massenvernichtungswaffen hatten und null Prozent Wissen darüber, wo sie waren.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%