Russen landen auf der Krim: Kein Konflikt, aber deutliche Provokation

Russen landen auf der Krim
Kein Konflikt, aber deutliche Provokation

Es ist überraschend ruhig geblieben auf der Krim am Samstagmorgen. Nachdem Russland 2000 Soldaten landen ließ, gab es immer wieder Berichte über Gefechte – doch alle falsch. Teile der Krim waren jedoch ohne Telefon.
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Kiew/Moskau/WashingtonDer ukrainischen Regierung und US-Offiziellen zufolge hat Russland „mehrere hundert“ Soldaten auf die Krim geschickt. Die Ukraine wirft Russland vor, massiv die Grenze zwischen beiden Ländern zu verletzen. Transportflugzeuge, Hubschrauber und Soldaten seien auf die ukrainische Halbinsel Krim eingedrungen, sagte der Uno-Botschafter des Landes, Juri Sergejew. „Wir betrachten das als Aggression.“ Interimspräsident Alexander Turtschinow sprach von einer „militärischen Invasion“ unter dem Deckmantel einer Übung.

Entgegen anderslautender Befürchtungen der neuen ukrainischen Regierung ist die Lage auf der Krim am Samstagmorgen aber offenbar ruhig geblieben. Es lagen zunächst keine Berichte über militärische Auseinandersetzungen vor. Das Innenministerium hatte zuvor von Hinweisen gesprochen, dass eine Gruppe Radikaler am einen Einsatz plane und dabei ukrainische Armee-Einheiten entwaffnen wolle. In einigen Teilen der Region waren jedoch die Telefonverbindungen unterbrochen. Zudem berichteten einige Menschen davon, gepanzerte Mannschaftswagen im Einsatz gesehen zu haben.

Die Spannungen drohen eine neue Eiszeit in den russisch-amerikanischen Beziehungen einzuleiten. US-Präsident Barack Obama erklärte in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, eine militärischen Intervention auf die Krim würde ihren „Preis“ haben. „Jede Verletzung der Souveränität und Grenzen der Ukraine wäre zutiefst destabilisierend“. „Sie würden einen tiefen Eingriff ein Angelegenheiten bedeuten, die von den Bürgern der Ukraine entschieden werden müssen.“ Die USA seien „zutiefst besorgt“, sagte Obama. Die Situation sei „fließend“ und werde von Washington genau beobachtet.

Später verlautete aus dem Weißen Haus, dass die USA aus Protest gegen eine Entsendung russischer Truppen auf die ukrainische Halbinsel Krim den für Juni geplanten G-8-Gipfel in Sotschi platzen lassen könnten. Obama könne seine Reise in die russische Schwarzmeerstadt „absagen“, sagte ein US-Regierungsvertreter am Freitagabend in Washington.

In dem autonomen Gebiet, das hauptsächlich von Russen bewohnt wird, landeten am Freitag nach ukrainischen Angaben unter anderem 13 russische Militärmaschinen vom Typ Iljuschin Il-76 mit insgesamt rund 2000 Soldaten sowie elf Hubschrauber vom Typ Mi-24. Zudem wurde am Abend der Luftraum über der Hauptstadt Simferopol gesperrt.

„Nicht nur, dass Soldaten und Transportflugzeuge in unseren Luftraum eingedrungen sind“, sagte der ukrainische Botschafter Juri Sergejew an einer eilig anberaumten Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. „Es haben auch elf Hubschrauber die Grenze verletzt. Und ich spreche von Mi-24. Das sind keine einfachen Transport-, das sind Kampf- und Angriffshubschrauber.“ Es sei das gleiche Szenario wie in anderen früheren Sowjetrepubliken.

Insider in den USA berichten von Hinweisen auf russische Truppenbewegungen auf der Krim. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitagabend von mehreren Personen erfuhr, werden zum Teil Soldaten auf die ukrainische Halbinsel verlegt und zum Teil abgezogen. Die Stärke und die Ziele der Einheiten seien unklar. Eine der Personen, die alle namentlich nicht genannt werden wollten, erklärte, möglicherweise solle der Schutz der auf der Krim stationierten russischen Soldaten verbessert werden.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, äußerte nach einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates ebenfalls ihre große Besorgnis. Sie forderte eine internationale Mission, um die Lage zu entschärfen und bekräftigte, dass die USA der Ukraine beistehen würden.

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