Russische Behörden identifizieren mehrere der terroristischen Geiselnehmer von Beslan
Bassajew als Drahtzieher im Verdacht

Die Gruppe der Geiselnehmer im nordossetischen Beslan wird offenbar von Doku Umarow angeführt, einem engen Gefolgsmann des berüchtigten tschetschenischen Feldkommandeurs Schamil Bassajew. Dies geht aus Berichten der „Iswestija“ sowie einem Telefonat zwischen Journalisten der New York Times und einem der Entführer hervor.

mzi/mbr BERLIN/MOSKAU. Während am Donnerstag fieberhaft um eine Entschärfung der Krise gerungen wurde, versuchten die Behörden, die Geiselnehmer zu identifizieren. Danach sollen mehrere von ihnen aus den Nachbarrepubliken Tschetschenien und Inguschetien stammen, meldete die Agentur Ria Nowosti unter Berufung auf nordossetische Sicherheitskreise. Weitere der 17 Mitglieder des Überfallkommandos gehörten anderen Nationalitäten an. Die Identität der meisten Terroristen sei den Ermittlern bekannt, sagte ein Sprecher. Aslan Maschadow, der 1997 gewählte Präsident Tschetscheniens, hatte sich vor zwei Jahren von Bassajew gelöst, nachdem dieser die Verantwortung für die Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater „Nord-Ost“ übernommen hatte. Dabei waren 150 Menschen ums Leben gekommen. Bassajew bekennt sich offen zu terroristischen Gewaltakten als Antwort auf die russische Besetzung Tschetscheniens.

Ihm zuzurechnen ist auch die Ausbildung der so genannten „Schwarzen Witwen“, die Selbstmordkommandos ausführen. Bassajew hat das Divisionsbataillon „Radius Silchin“ aufgestellt, das als Trainingslager für Attentäter dient. In der tschetschenischen Bevölkerung wird der achtmal verwundete Bassajew zwar auch als Held verehrt, von einer Mehrheit aber für die Eskalation der Gewalt verantwortlich gemacht. Aslan Maschadow hat sich von Bassajews Methoden – wie auch im aktuellen Fall in Beslan – mehrfach distanziert. Von Umarow hatte sich Maschadow bereits vor Jahren getrennt. Offiziell bekannt zu dem Überfall hat sich indes die islamistische Gruppe „Islambuli-Brigaden“. Diese hatte bereits die Verantwortung für die Sprengung zweier russischer Flugzeuge am Dienstag der Vorwoche übernommen.

Beobachter sind jedoch skeptisch, ob die Bekennerschreiben authentisch sind. Es fehle ihnen an „Täterwissen“ wie auch an Übereinstimmung mit dem tatsächlichen Tathergang. Sollten sich allerdings tatsächlich die „Islambuli-Brigaden“ hinter den Aktionen verbergen, dann wäre möglicherweise eine Verbindung zu El Kaida hergestellt. Die Organisation ägyptischen Ursprungs gilt als Teil des El-Kaida-Netzwerks.

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