Russische Patrioten
Ins Sommertrainingslager auf die Krim

Die Krim war ein Urlaubsparadies – bis die Russen kamen. Nun will Moskau den Tourismus auf der Halbinsel wiederbeleben. Flugtickets gibt es zu Billigpreisen – und Schulkinder werden in Camps zu „guten Patrioten“ erzogen.
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KiewErst kamen die Rentner, jetzt sollen die Schulkinder folgen. Der russische Staat lässt nichts unversucht, damit die Tourismuszahlen auf der Krim wieder steigen. Nachdem im Winter und in der Vorsaison vor allem Rentner und Angestellte staatseigener Unternehmen mit Billig-Airlines und zu Sonderpreisen auf die Krim geflogen wurden, lautet die Losung für den Sommer: „Jedes Kind soll mindestens einmal während seiner Schulzeit auf die Krim reisen.“

Ab 2016 will die russische Gesellschaft für Militärgeschichte die ersten 5000 Kinder auf die Krim entsenden. Die Schüler und Schülerinnen im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren sollen neben einer paramilitärischen Ausbildung auch Sonderlektionen in russischer Geschichte bekommen. „Das geht nirgends so gut wie auf der Krim“, findet Wladimir Medinskij, Vorsitzender der Gesellschaft für Militärgeschichte. Die Kinder sollen vor allem in Sanatorien untergebracht werden. Etliche dieser Einrichtungen haben seit der Annexion der Halbinsel im März 2014 wegen der geringen Nachfrage geschlossen.

Vor dem Bürgerkrieg in der Ukraine und der Annexion der Halbinsel durch Russland kamen jährlich fast sechs Millionen Urlauber auf die Krim – davon 2,3 Millionen Russen. Der Großteil der Gäste stammte jedoch aus der Ukraine – und die bleiben nun weg. Zum einen weil die politischen Auseinandersetzungen zwischen Kiew und Moskau nach wie vor andauern, zum andern weil die Einreise auf die Krim mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist.

„Wer als Ukrainer auf die Krim will, der wird heute schief angeguckt, da fährt von uns keiner mehr hin“, sagt Anja. Die 44-Jährige leitet ein kleines Reisebüro in Kiew. Früher, vor 2014, waren die Reisen auf die Insel beliebt. „Vor allem Großeltern mit ihren Enkeln haben bei uns gebucht“, erinnert sich Anja. Mittlerweile habe sie alle Angebote für Krimreisen aus ihrem Katalog gestrichen.

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„Nicht nur Strandbesuche“

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