Russische Presseschau
„Zwei Kriege im Kaukasus“

In vielen europäischen Zeitungen und Websites wird die Schuld am Krieg in Georgien Russland gegeben. Die dortigen Medien bewerten die Schuldfrage naturgemäß anders und ziehen Parallelen zur Intervention im Kosovo. Wie russische Journalisten den militärischen Konflikt im Kaukasus einschätzen.

DÜSSELDORF. Einen Ausweg aus dem Konflikt im Kaukasus gibt es laut der Tageszeitung Moskauer „Wedomosti“ nur, wenn sich die georgischen Truppen vollständig aus der Region Südossetien zurückziehen. Weiterhin müsse sich ihre Führung für den verübten Genozid entschuldigen und den Mördern von Zivilisten und russischen Friedenstruppen den Prozess machen. Zuletzt solle der georgische Präsident Micheil Saakaschwili komplett auf die Macht in der Region verzichten. Blieben diese Bedingungen unerfüllt, könne sich der Konflikt noch sehr lange hinziehen. „Moskau fährt eine harte Linie“, so „Wedemosti“.

Die Moskauer Tageszeitung zitiert auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes „Fond Öffentliche Meinung“. Demnach unterstützen 80 Prozent der Russen das Vorgehen ihrer Regierung und befürworten die Offensive in Südossetien. Nur acht Prozent glauben, dass Georgien und Südossetien in gleichem Maße für den Konflikt verantwortlich sind. Früher habe die Meinung vorgeherrscht, dass Südossetien ein unabhängiger Staat werden soll. Jetzt wünschten sich viele Befragte, dass die Region an Russland angegliedert werde.

Die „Moskauer Deutsche Zeitung“ hält die Kritik aus Richtung Westen für ungerecht. Es sei unverständlich, dass die Blauhelme im Kosovo als Friedensmission gilt, während die Intervention Russlands in Georgien aber als Aggression gewertet wird. Laut „Moskauer Deutsche Zeitung“ stehen die Geschehnisse von Zchinwali (Hauptstadt der Region Südossetien, Anm. der Redkation) und das Massaker der Serben in Srebrenica auf einer Stufe. Der Westen erkenne dies nicht an, da „Saakaschwili seine Reden auf Englisch und vor der blauen EU-Flagge hält“.

Aus Sicht der russischen Bevölkerung hätten laut „Moskauer Deutsche Zeitung“ zwei Kriege stattgefunden: Einer aus Sicht der westlichen und einer aus Sicht der russischen Medien. Dabei sei „der westliche Mainstream“ seinen eigenen Phobien von einem Russland erlegen, das seine Interessen selbst vertritt. In einer Onlinebefragung des Magazins gaben 40% der Leser an, dass die Reaktion des Westens antirussisch und scheinheilig sei.

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