Russische Wirtschaft
Streit über Ölkonzern belastet Wirtschaftsgipfel

Vorladungen zum Staatsanwalt, Sticheleien gegen BP und Machtspiele der Oligarchen: Die internationalen Querelen um TNK-BP überschatten die Tagesordnung beim Petersburger Wirtschaftstreffen. Sie werfen die Frage auf: Wie steht es wirklich um die Rechtssicherheit in der russischen Wirtschaftswelt?

MOSKAU. Der offene Führungsstreit beim russisch-britischen Ölkonzern TNK-BP wird zum Lackmustest in der Frage, wie es in Russland um Rechtssicherheit und gute Unternehmensführung bestellt ist. Wenn der neue Präsident Dmitrij Medwedjew am Wochenende beim internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg mit 75 ausländischen Konzernlenkern zusammentrifft, dann wird es hinter verschlossenen Türen auch um die Zukunft von Russlands drittgrößtem Ölkonzern gehen.

Für Russland ist das Forum in Sankt Petersburg eines der wichtigsten internationalen Aushängeschilder. In diesem Jahr sind unter den rund 2 500 Gästen BP-Chef Tony Hayward, der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und die Topmanager von Konzernen wie Exxon-Mobil, Coca-Cola und der Citigroup. Bis vor drei Jahren traf sich die westliche Wirtschaftselite mit ihren russischen Partnern noch regelmäßig in London. Doch Medwedjews Amtsvorgänger Wladimir Putin belegte die Konkurrenzveranstaltung mit einem internen "Bann", so dass nun Sankt Petersburg ihren Platz eingenommen hat.

Der jetzige Ministerpräsident Putin, der beim letzten Treffen in seiner Rede noch eine scharfe Attacke gegen die Welthandelsordnung ritt, überlässt seinem Nachfolger in diesem Jahr vollkommen das Feld. Der Regierungschef werde nicht nach Sankt Petersburg reisen, ließ Putins Sprecher wissen. Neben seiner Kritik an der Welthandelsorganisation (WTO) hatte Putin der internationalen Investorengemeinschaft im vergangenen Jahr aber auch "Fair Play" versprochen. Da war es noch gar nicht so lange her, dass der staatlich kontrollierte Gaskonzern Gazprom auf Druck von Regierungsbehörden die Mehrheit am milliardenschweren Förderprojekt Sachalin von Royal Dutch Shell übernommen hatte.

Heute ist es der Streit um TNK-BP, den ausländische Investoren kritisch beobachten. Seit zum Jahreswechsel die Stillhaltevereinbarung über den Verkauf der Anteile ausgelaufen ist, kommt das Unternehmen nicht zur Ruhe - obwohl alle Partner immer wieder öffentlich betonen, keine Verkaufsabsichten zu verfolgen. Der drittgrößte Erdölkonzern in Russland gehört zu je 50 Prozent BP und einem Konsortium russischer Geschäftsmänner - der Alfa Group von Michail Fridman und German Khan, Access Industries von Leonid Blawatnik und Renova von Wiktor Wekselberg. Gazprom oder der staatliche Ölkonzern Rosneft gelten russischen Medienberichten zufolge als mögliche Käufer für den Anteil der vier Oligarchen, die den Rücktritt des von der BP-Seite stammenden TNK-Chefs Robert Dudley verlangen.

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