Russischer Konvoi
Hilfe oder Invasion?

Russland hat einen Hilfskonvoi für die Ostukraine auf den Weg geschickt. Die Regierung in Kiew will ihn nicht ins Land lassen. Auch im Westen befürchten Politiker, der Konvoi diene nur der Tarnung – für eine Invasion.
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MoskauRussland hat einen Konvoi mit Hilfsgütern in Richtung Ukraine geschickt. Die Regierung in Kiew will die russischen Lastwagen aber auf keinen Fall über die Grenze lassen. Die Lage droht zu eskalieren. Im Westen wächst die Sorge, dass Russland einen Eimarsch in das Nachbarland vorbereiten könnte.

In Alabino bei Moskau setzten sich am Dienstag 280 Lastwagen mit Hilfsgütern Richtung Ukraine in Bewegung. Die russische Nachrichtenagentur Itar Tass meldete, der Transport werde zwei bis drei Tage brauchen, um das Nachbarland zu erreichen. Bis zur ukrainischen Grenze sind es rund 1000 Kilometer. Die etwa 2000 Tonnen Hilfsgüter waren nach russischen Medienberichten von Einwohnern Moskaus und Umgebung gesammelt worden.

Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, sagte, die Lastwagen seien „ohne militärische Eskorte“ unterwegs. Rund um den Konvoi waren keine Militärfahrzeuge zu sehen, lediglich weiße Lastwagen ohne Nummernschilder und zum Teil mit roten Kreuzen versehen.

Die Regierung in Kiew erklärte, die Lastwagen dürften keinesfalls auf ukrainisches Territorium gelangen. Kein Konvoi, der von Angehörigen des russischen Militärs oder Katastrophenschutzministeriums begleitet werde, dürfe auf ukrainisches Hoheitsgebiet fahren, sagte Waleri Tschali, ein enger Vertrauter von Präsident Petro Poroschenko. „Alles wird unter der Kontrolle der ukrainischen Seite stehen.“

Die ukrainische Führung fürchtet, Russland könnte unter dem Deckmantel eines Hilfskonvois Soldaten in die Ostukraine einmarschieren lassen. Nach westlichen und ukrainischen Angaben sollen 45.000 russische Soldaten an der Grenze zusammengezogen worden sein.

Die Nato stufte die Wahrscheinlichkeit einer russischen Invasion als sehr hoch ein. Es gebe weiter keine Anzeichen dafür, dass Russland die Truppenstärke an der Grenze verringere, hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Montag gesagt.

„Wir müssen außerordentlich vorsichtig sein“, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius im Hörfunksender France Info. Es könne sein, dass sich auf diesem Wege Russen in der Nähe der Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk in Stellung brächten und den Westen vor vollendete Tatsachen stellten. Der Hilfskonvoi sei nur möglich, wenn das Rote Kreuz ihn genehmige.

Kommentare zu " Russischer Konvoi: Hilfe oder Invasion?"

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  • Da klaut wieder einen Namen.... ICH habe diesen Schrieb hier oben nicht verfasst!

  • Es reicht! Man kann es nicht mehr hören – die einseitige propagandaartige Darstellung Russlands als alleinigen Schuldigen in der gegenwärtigen Krise. Keiner zweifelt daran, dass die russische Regierung ihre Interessen in der Ostukraine auch mit Mitteln durchsetzt, die sicherlich nicht durch das Völkerrecht gedeckt und auch moralisch sehr zweifelhaft sind. Und ich glaube auch nicht, dass es jemanden gibt der ernsthaft an die Unschuld der russischen Regierung glaubt. Aber unser Finger, der wir mahnend und moralisierend in den Himmel heben ist genauso blutig, wie die Hände Putins und der ukrainischen Regierung.
    In der gesamten Berichterstattung Deutschlands (bis auf wenige Ausnahmen) wird gerne ausgeblendet, dass die EU, USA und die NATO den Stein ins Rollen gebracht haben (Druck auf die Ukraine mit dem Assoziierungsabkommen, Destabilisierung der Ukraine während der Regierung Janukowitsch, bedingungslose Unterstützung einer rechtsnationalen Ukrainischen Regierung die den Konflikt mit der russischstämmigen Bevölkerung anheizte, das Säbelrasseln von Herrn Rasmussen etc.). Nur dass der Coup gründlich schief gegangen ist und außer Kontrolle geriet.
    Anstatt jetzt, in Anbetracht der Verantwortung die auch wir in diesem Konflikt tragen, konstruktiv mit Russland an einer Lösung mit Interessensausgleich für alle beteiligten Seiten zu arbeiten, drehen wir die Schraube weiter fest mit Sanktionen, Drohungen und einer maßlosen Propaganda in den Medien. Das ist Politik auf Kosten derer, die diesen Konflikt letztendlich ausbaden müssen – der zivilen Bevölkerung der umkämpften Gebiete.
    Es ist höchste Zeit, dass wir mit dem sinnlosen Russland-Bashing aufhören und uns einer pragmatischen Lösung zuwenden. Ansonsten werden wir alle in Europa die Suppe auslöffeln dürfen, die durch Verantwortliche der EU und vor allem auch der USA und der NATO derzeit hochgekocht wird.

  • Was denn nun?

    Herr Putin hat es vollbracht, "russische Söldner" in die Ukraine zu bringen, ein Boden-Luft-Raketensystem zum Abschuss eines zivilen Passagierflugzeugs über die Grenze zu schaffen und versorgt seit beginn der Krise porussische Kräfte mit Waffen und anderen Kriegsgütern. Dies alles ist nach Aussagen westlicher Regierungen "bewiesen" und wird seit Wochen/Monaten durch die Medien transportiert.

    Und nun ist dieser Herr Putin tatsächlich darauf angewiesen, unter dem Deckmantel einer Hilfsaktion Waffen und Truppen zur Vorbereitung einer Invasion in die Ukraine zu schmuggeln?

    Es ist haarsträubend, wie manipulativ inzwischen namhafte deutsche Medien in jüngster Zeit arbeiten. Investigativer Journalismus sieht anders aus.

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