Russischer Konzerne
Putin will Ausländer aus Chefsesseln vertreiben

Kremlchef Wladimir Putin hat ausländischen Managern den Kampf erklärt. Der russische Präsident will, dass künftig keine ausländischen Manager mehr die Spitzenposten heimischer Unternehmen bekleiden. Putin sprach in diesem Zusammenhang von einem „Import-Ersatz“, der in allen russischen Firmen erfolgen solle.

BERLIN. „Sonst ersticken wir am Import“, sagte Putin vor dem Rat der Gesetzgeber in Moskau. Die merkwürdige Formulierung ließ die Expats genannten ausländischen Experten in Russland aufhorchen. Doch auch russische Firmen wurden nervös: Denn das boomende Riesenreich leidet an einem gravierenden Mangel an Topmanagern und russische Fachkräfte sind oft nicht nur rar, sondern sogar deutlich teurer.

„Expats – go home!“ übertitelte die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ den Putinschen Generalangriff auf ausländische Manager in seinem Land. Betroffen wären vor allem der britisch-russische Ölkonzern TNK-BP, in dessen Vorstand mehrere ausländische Spitzenmanager sitzen mit dem Amerikaner Robert Dudley an der Spitze des Unternehmens. Auch der staatlich kontrollierte Ölriese Rosneft hat mit dem US-Investmentbanker Peter O´Brian einen ausländischen Finanzvorstand. Russland größter Autohändler, die Moskauer Rolf-Gruppe, hat mit dem Nordiren Matt Donelly einen ausländischen Firmenchef. Beim Aluminiumgiganten UC Rusal arbeiten drei Ausländer in der Führungsetage. Der weltgrößte Produzent der wichtigen Industriemetalle der Platingruppe, Norilsk Nickel, beschäftigt ein ausländisches Vorstandsmitglied.

Die Milliarden schweren Holdings von Oligarchen wie Oleg Deripaska (Basowy Element) oder Rustam Tariko (Russkij Standard) haben ausländische Vorstände berufen. Hingegen haben russische Industriegrößen wie der Gasgigant Gazprom oder der Strommonopolist UES sowie die großen Stahlkochern keinerlei ausländisches Führungspersonal an Bord.

Insgesamt sei die Zahl ausländischer Firmenlenker in russischen Unternehmen noch klein, betonen Experten. Anders sehe das Bild in den Aufsichtsräten aus, wo viele westliche Experten in die Kontrollgremien russischer Firmen berufen worden seien. Allerdings sei auch der Trend hin zu „Expats“ in den Vorständen da, sagt Gulshan Moldaschanowa, Chef von Basowy Element. Sie begründet gegenüber dem Handelsblatt das Anheuern von Ausländern für die Führungsetage mit „deren Fachwissen, ihrer Expertise beim Risikomanagement und damit, dass ausländische Experten heute oftmals weniger kosten als russische“.

Putins Vorstoß hat in der russischen Industrie für Aufregung gesorgt, so „Wedomosti“. Das Blatt zitierte einen hochrangigen Manager eines russischen Rohstoffkonzerns mit den Worten: „Putins Politik ich Chauvinismus. Es geht doch nicht um Herkunft, sondern ums Können.“ Während viele hoffen, Putins populistische Aussage sei nur ein Wahlkampfgag, äußert Fjodor Scherbestow aber grundsätzliche Bedenken: Der Weggang ausländischer Führungskräfte würde einen „enormen Schaden für Russlands Wirtschaft anrichten“, meint der Partner der Haedhunter-Firma Pynes&Moerner.

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