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Russisches Katastrophenmanagement: Die Potemkin’sche Großmacht

Die schweren Brände in Russland treffen das Selbstbild des größten Flächenlands der Welt - vor allem, weil Regierung und Verwaltung nur unzureichend auf die Katastrophe vorbereitet waren. Erste politische Folgen zeichnen sich ab.

Parade vor dem Moskauer Kreml: Die politische Situation in Russland ist heikel. Quelle: dpa
Parade vor dem Moskauer Kreml: Die politische Situation in Russland ist heikel. Quelle: dpa

BERLIN. Es ist eine kleine, eigentlich eine klitzekleine Zahl: 4. In Worten: Vier. Und doch sagt sie mehr über das Kernland der einstigen Sowjetunion aus, als Tausende von Sätzen.

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"Das große Russland hat ganze vier Löschflugzeuge, die USA 150", ereifert sich Robert Nigmatullin von der Akademie der Wissenschaften in Moskau. Und klagt an: "Wo hat der Katastrophenschutz-Minister die ganze Zeit hingeschaut? Er ist doch als Held Russlands mit Orden ausgezeichnet worden."

Die Orden wie die von Minister Sergej Schojgu, sie stammen aus einer Zeit, in der Russland seinen Stolz nach außen trug, in der es der Welt zeigte, wie es sich seit dem Beinahezusammenbruch im Jahre 1998 aufgerappelt hat, und in der es zu einer wirtschaftlichen Weltmacht aufstieg, die ihren Sitz bei der G7, dem Klub der sieben wichtigsten Wirtschaftsnationen der Erde, einforderte - und auch bekam. Aus G7 wurde G8. All das ist erst ein paar Jahre her.

Jetzt, in der Stunde der Not, offenbart sich, dass es hinter dem Glanz des Aufstiegs modert, dass all den politischen und wirtschaftlichen Erfolgen letztlich die Substanz fehlt. Es waren Chimären, so scheint es, Trugbilder, bemalte Kulissen, wie sie der Gouverneur Potemkin 1887 entlang der Route aufstellen ließ, die Zarin Katharina bereiste.

Zwei der insgesamt vier Löschflugzeuge vom Typ Be-200 sind tagelang nur zum Löschen der Brände um das Atomzentrum Sarow im Einsatz gewesen, berichtet Alexej Jaroschenko von Greenpeace Russland. Das Land brauche jährlich 20 Mrd. Rubel (500 Mio. Euro) für die Ausstattung seiner Brandbekämpfer, statt der bisher 2,2 Mrd. Rubel, schätzt er.

Feuerwehrleute aus der Stadt Kaluga riefen gestern beim Radiosender "Echo Moskaus" an und klagten über "25 Jahre alte Löschfahrzeuge, die wir mehr reparieren als fahren". Geld werde massiv veruntreut statt in den Kauf neuer Technik gesteckt.

Wladimir Lipatkin, Chef der Wald-Fakultät der Universität Moskau, kritisiert zudem, dass es keine landesweite Feuerwehr mehr gebe, sondern die Verantwortung für Russlands riesige Waldflächen von der Bundes- auf die Regionalbehörden verschoben worden sei. Die Folge: Keiner kümmere sich mehr darum.

Auch politisch wird die Situation brenzlig - selbst wenn Instabilität jetzt das Letzte ist, was Russland gebrauchen kann. Doch die Wut ist groß.

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