Russisches Lebensmittel-Embargo
Unter Pfirsich-Schmugglern

Spanischer Schinken, französischer Camembert, ungarische Salami: In Russland gilt das als unpatriotisch und wird vernichtet. Doch ein treuer Nachbar hilft Russlands Feinschmeckern – und verdient daran gut.
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„Weißrussische Lebensmittel“ steht über der Ladentheke in großen weißen Lettern auf einem der Nationalflagge nachempfundenen rot-grünen Untergrund. An der Eingangstür hängt ein großes Werbeplakat: Bockwürste, Pelmeni, die in Russland unter dem Namen „Doktorskaja“ beliebte Brühwurst und verschiedene Salamisorten aus dem Fleischkombinat Brest werden darauf angepriesen. Im Geschäft gibt es daneben noch Quark, Käse und Süßigkeiten. „Alles ganz natürlich ohne Zusatzstoffe“, wirbt die Verkäuferin.

Der Laden an der Bakuninskaja Straße in Moskau ist nur einer von vielen, die es jetzt im ganzen Land gibt. Speziell nach der Verhängung des Importstopps für westliche Waren sprießen weißrussische Lebensmittelgeschäfte wie Pilze aus dem Boden. Es gibt inzwischen richtige Ketten wie „Weißrussischer Farmer“ oder „Schlaraffenland“ (wörtlich „Käse in Butter“).

Doch nicht überall sind die Käufer mit der Qualität zufrieden. In der Kleinstadt Alexandrow, 100 Kilometer nordöstlich von Moskau, schimpft Hausfrau Jelena: „Ins Schlaraffenland werde ich nicht mehr gehen“. Sie habe einen Quarkkuchen/Schmarren machen wollen. Doch der Kuchen sei beim Backen ausgeflockt. „Wahrscheinlich haben sie da billiges Palmfett reingemischt, um die Masse zu erhöhen“, mutmaßt sie.

Betrugsverdacht erheben auch die russischen Ämter: „Wegen der Versuchung der Weißrussen an den Problemen ihrer östlichen Nachbarn soviel wie möglich zu verdienen, ist die Qualität der gelieferten Produkte katastrophal gefallen und in einigen Fällen sogar lebensbedrohlich für die Verbraucher. Solche Probleme sind sogar in den für den weißrussischen Export traditionellen Bereichen wie Fleisch- und Milchproduktion aufgetaucht“, berichtet die russische Nachrichtenagentur Regnum unter Berufung auf die staatliche Verbraucherbehörde RosSelchosNadsor.

Tatsächlich sind weißrussischer Mozzarella oder Camembert nicht jedermanns Geschmack. Und findige Unternehmer von Brest bis Witebsk haben längst noch ganz andere Marktlücken erobert. Mit Ironie haben die Russen das Auftauchen exotischer Früchte und Meeresprodukte aus dem Nachbarland quittiert: Sprichwörtlich geworden sind bereits weißrussische Muscheln und Pfirsiche. Möglich macht das der Reexport von westlichen Lebensmitteln, die nun einfach einen Umweg über Weißrussland machen bevor sie in russischen Supermarktregalen landen.

Trotz der Klagen von Präsident Alexander Lukaschenko, dass sein Land unter den Sanktionen gegenüber dem Nachbarn und Handelspartner leide, wird Weißrussland so zum großen Gewinner des russischen Embargos. Während in anderen Bereichen der Export nach Russland wegen der Wirtschaftskrise gefallen ist, konnte Weißrussland laut offizieller Statistik die Ausfuhr von Gemüse um 87,2 Prozent steigern, beim Obst waren es 64 Prozent und bei Fisch und Meeresfrüchten 44,1 Prozent.

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Feinschmecker müssen noch nicht auf Diät

Kommentare zu " Russisches Lebensmittel-Embargo: Unter Pfirsich-Schmugglern"

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  • >> Russisches Lebensmittel-Embargo >>

    Dieses Embargo ist die Folge des EU-Embargos !

    Wer Lebensmittelschmuggel betreibt, der nimmt Epidemien, Vergiftungen, Krankheiten, etc. in Kauf ( Lebensmittel sind sehr strengen Gesundheits-Kontrollen unterworfen ).

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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