Russisches Militär in der Ukraine
Hilfskonvoi steht – doch die Armeetransporter fahren

In der Dunkelheit, durch eine Lücke im Grenzzaun soll ein russischer Militärkonvoi in die Ukraine eingedrungen sein. Das berichten britische Journalisten. Die russischen Hilfs-Lastwagen stecken weiter an der Grenze fest.
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London/DonezkRussische Militärfahrzeuge sind offenbar von Journalisten beim Eindringen auf ukrainisches Territorium beobachtet worden. Wie die britischen Zeitungen „The Guardian“ und „The Telegraph“ berichteten, überquerte ein Konvoi aus 23 gepanzerten Mannschaftstransportwagen gemeinsam mit Tanklastwagen und anderen Versorgungsfahrzeugen am späten Donnerstagabend die Grenze zum Nachbarland. An allen Fahrzeugen seien Kennzeichen des russischen Militärs angebracht gewesen. Der Vorfall ereignete sich demnach in einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet in der Ostukraine.

Außerdem berichten Reporter der Agentur Reuters, dass Russland an der Grenze zur Ukraine Dutzende schwere Militärfahrzeuge in der Nähe eines Hilfskonvois zusammengezogen habe. Dabei handelte es sich um Transportpanzer.

Für die notleidenden Menschen in der umkämpften Region rückt derweil Hilfe näher. Erste ukrainische Regierungs-Lastwagen mit Medikamenten und Lebensmitteln trafen am Donnerstagabend an einem Sammelpunkt nördlich von Lugansk ein. Ob auch der seit drei Tagen anrollende russische Hilfskonvoi die Grenze passieren darf, blieb aber unklar.

Der Hilfstransport ist umstritten, weil die proeuropäische Regierung in Kiew Russland als Aggressor ansieht. Moskau wies Vorwürfe zurück, der Konvoi könnte Waffen für die prorussischen Separatisten enthalten. Auch der Westen beschuldigt Russland seit längerem, die Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen. Moskau bestreitet dies.

Wie der „Guardian“ weiter berichtete, wartete der Armeekonvoi auf russischer Seite den Einbruch der Dunkelheit ab, nutzte dann einen Feldweg und fuhr durch eine Lücke im Grenzzaun in ukrainisches Gebiet. Der Vorfall ereignete sich demnach nahe der russischen Stadt Donezk, die rund 200 Kilometer vom ukrainischen Donezk liegt. Die Separatistenhochburg Lugansk liegt lediglich Dutzende Kilometer entfernt.
Die Region Lugansk soll auch Ziel der Hilfskolonne der ukrainischen Regierung sein. Wie der Sicherheitsrat in Kiew mitteilte, erreichten 26 Fahrzeuge aus Charkow am Abend die Stadt Starobelsk. Mitarbeiter des Roten Kreuzes sichteten die Waren. Insgesamt hat Kiew 75 Lastwagen mit rund 800 Tonnen Hilfsgüter ins Krisengebiet geschickt.
Der russische Konvoi mit 2000 Tonnen Hilfsgütern hat Lugansk als Ziel. Die Fahrzeuge stehen aber wegen mangelnder Absprachen mit dem Roten Kreuz vor der ukrainischen Grenze. Das Rote Kreuz teilte mit, es habe Kontakt aufgenommen, viele Details müssten noch geklärt werden. In Lugansk mit mehr als 200 000 Einwohnern gibt es seit fast zwei Wochen weder Strom noch Wasser.

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  • Es ist schon erstaunlich welche Rolle unser Medien in diesem und auch anderen Konflikten mittlerweile spielen. Mit seriösem Journalismus hat dies nun überhaupt nichts mehr zu tun.
    Es ist sicherlich bedauerlich, dass die Aufwände, die man treiben muss um eine seriöse Berichterstattung zu finanzieren nicht unerheblich sind. Diese Gelder sind auch dank Internet & Co nicht mehr vorhanden. Somit löst man dieses Problem indem man dem ‚mainstream‘ konformes mediales Grundrauschen erzeugt (Es ist halt auch nur ein Job) und den Mist lediglich weitergibt, bis scheinbare Wahrheiten entstehen.

    Aber wie aus den Kommentaren zu entnehmen gibt es anscheinend noch Leser die diesen Quatsch auch noch ernst nehmen.

  • Jounalisten ohne Kamera?
    Kein Foto = unglaubwürdig!

    Sorry, aber das Journalisten nicht mal ein Handy mit Kamerafunktion haben glaub ich nicht!!

  • "Ich habe mich "etwas" differenzierter geäußert, als Sie es darstellen."

    Leider nicht. In jedem Artikel des HB zur Ukraine haben Sie endlos gepostet mit dem einzigen Tenor, dass die Russen nur lügen und der Westen alles richtig macht. Dem Liefern von Beweisen haben Sie sich kategorisch verschlossen.

    Vielleicht sollten Sie das mal einfach reflektieren.

    Ansonsten wünsche ich Ihnen auf jeden Fall ein schönes Wochenende.

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