Russland-Affäre
Neue Vorwürfe gegen US-Präsident Trump

Stabschef John Kelly soll einen Neuanfang im chaotischen Weißen Haus schaffen und hat gleich jede Menge zu tun. Die neuen Vorwürfe gegen die US-Regierung hängen letztlich jedoch alle mit der Russland-Affäre zusammen.
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New YorkAuch nach der personellen Neuordnung im Weißen Haus muss sich die Regierung von US-Präsident Donald Trump weiter Vorwürfen im Zusammenhang mit der Russland-Affäre stellen. Am Dienstag wurde eine Klage gegen Fox News eingereicht, der zufolge der Nachrichtensender in Absprache mit Trump einen unwahren Artikel verbreitete, um von möglichen Verbindungen seines Teams nach Russland abzulenken. Auch die Erklärung von Präsidentensohn Donald Jr. zu einem Treffen mit einer russischen Anwältin sorgte weiter für Aufsehen.

Laut einem Bericht der „Washington Post“ hatte der Präsident seinem Sohn die Erklärung diktiert, in der er das Treffen mit der Anwältin herunterspielte. Dieser Erklärung zufolge ging es bei der Unterredung im Sommer 2016 vor allem um das russische Adoptionsprogramm. Später veröffentlichte E-Mails zeigten aber, dass Trump Jr. sich von der Anwältin kompromittierende Informationen über die damalige demokratische Rivalin seines Vaters, Hillary Clinton, erhoffte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP nickte der Präsident die Erklärung zumindest ab.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, bestätigte am Dienstag, dass der Präsident in die Erklärung involviert gewesen sei. Er habe seine Meinung gesagt, wie das jeder Vater bei seinem Sohn tun würde, sagte sie. In der Erklärung habe es keine „Ungenauigkeiten“ gegeben.

Sanders dementierte auch jegliche Absprache des Weißen Hauses mit Fox News bei einem Artikel über den Tod von Seth Rich, einem Mitarbeiter der demokratischen Parteiorganisation DNC. Diese Vorwürfe seien völlig unwahr, sagte sie.

Der Ermittler Rod Wheeler, der immer wieder als Studiogast bei Fox News eingeladen war, behauptete in seiner Klage, Fox habe Zitate von ihm erfunden, um den Tod Richs mit der Veröffentlichung von E-Mails des DNC durch Wikileaks in Zusammenhang zu bringen.

Ziel war laut der Klage, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weg von der Untersuchung zur russischen Einflussnahme auf die US-Wahl und eine mögliche Beteiligung von Trumps Wahlkampfteams und hin zu einem angeblichen, anderen Skandal in den Reihen der Demokraten zu lenken. Auch Fox erklärte, die Vorwürfe seien vollkommen abwegig.

Kläger Wheeler hatte für die Familie von Rich die Ermordung im Juli 2016 untersucht, die nach Einschätzung der Polizei Folge eines Raubüberfalls war. In einem im Mai auf der Webseite des Senders erschienen Artikel wurde Wheeler mit den Worten zitiert, es habe Kontakte zwischen Rich und Wikileaks gegeben. Das habe er aber nie gesagt, erklärte Wheeler. Ebenso wenig habe er behauptet, dass jemand - möglicherweise aus Reihen der Demokraten oder dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton - versuche, die Mordermittlungen zu behindern.

In der Klageschrift erklärte Wheeler weiter, er sei in einem Telefonat darüber informiert worden, dass Trump die falschen Zitate in den Artikel reklamiert habe. Fox entfernte den Artikel eine Woche nach Veröffentlichung von seiner Webseite, mit der Begründung, er sei nicht ausreichend geprüft worden.

Wheeler, der bei Fox viel über Polizei-Themen berichtete, sagte, er wurde von Trump-Unterstützer Ed Butowsky, der ab und an auch bei dem TV-Sender auftritt, auf den Rich-Fall gebracht. Butowsky habe beabsichtigt, eine Verbindung zwischen Rich und Wikileaks herzustellen. Zwei Tage vor der Veröffentlichung des Artikels habe Butowsky ihm eine Nachricht gesendet, in der es hieß, Trump habe den Text gelesen und wolle eine sofortige Veröffentlichung, so Wheeler. Er und Wheeler hätten sich zudem mit Pressesprecher Sean Spicer getroffen. Bukowsky wies alle Vorwürfe Wheelers zurück.

Die Eltern von Seth Rich, die nicht als Kläger auftreten, erhofften sich, dass dadurch Verschwörungstheorien über den Tod ihres Sohnes ein Ende finden würden. „Wir hoffen, dass die Klage etwas beendet, das die emotional anstrengendste Zeit unseres Leben war“, schrieb die Familie in einer Erklärung.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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