Russland-Affäre Sonderermittler Mueller lädt Trumps Ex-Berater Bannon vor

Steve Bannon, der frühere Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, soll einem Zeitungsbericht zufolge in der Russland-Affäre aussagen. Sonderermittler Robert Mueller habe ihm eine Vorladung geschickt.
Update: 17.01.2018 - 04:42 Uhr Kommentieren
Bannon und Trump hatten sich öffentlich überworfen. Quelle: Reuters
Steve Bannon

Bannon und Trump hatten sich öffentlich überworfen.

(Foto: Reuters)

Washington/New YorkSonderermittler Robert Mueller macht der Regierung Trump weiter Druck. Er hat laut „New York Times“ den früheren Chefstrategen des US-Präsidenten, Stephen Bannon, vorgeladen, wie die Zeitung am Dienstag berichtete. Bannon soll demnach im Rahmen der Russland-Untersuchung vor einer sogenannten Grand Jury aussagen. Das ist ungewöhnlich: Alle anderen Gespräche wurden bislang in einem informelleren Rahmen geführt, bei dem die Befragten auch einen Anwalt an ihrer Seite hatten. Die Befragung vor einer Grand Jury, die hinter verschlossenen Türen stattfinden wird, gilt als deutlich formeller und „kann einschüchternd wirken“, erklärte Renato Mariotti, Partner der Anwaltskanzlei Thompson Coburn in Chicago. „Mueller will Bannon wahrscheinlich ohne seinen Anwalt interviewen.“

Muellers Pressesprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Bannons Anwalt, William Burck von der Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan vertritt in der Russland-Affäre auch Trumps früheren Stabschef, Reince Priebus, sowie den Rechtsberater des Weißen Hauses, Donald McGahn. 

Muellers Vorladung kommt am gleichen Tag, an dem Bannon vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses aussagte. Der Ausschuss hat seine eigenen Untersuchung eingeleitet, die mögliche Verbindungen aus Trumps Umfeld nach Russland und zu anderen ausländischen Regierungen untersucht. Die Anhörung fand ebenfalls hinter verschlossenen Türen statt. Doch bei allen wichtigen Punkten blieb Bannon am Dienstag Antworten schuldig.

Bannons Aussagen in dem Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ haben in Washington für Aufsehen gesorgt. Autor Michael Wolff zitiert darin Trumps Ex-Berater, wie er schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten und seine Vertraute erhebt. Dass sich Trumps Sohn Donald Junior im Wahlkampf mit einer russischen Anwältin im Trump Tower getroffen habe, kritisierte Bannon als „unpatriotisch“. Die Deutsche Bank, von der Mueller ebenfalls Unterlagen eingefordert hat, sei Bannon zufolge der Schlüssel in der Russland-Untersuchung. „Das läuft durch die Deutsche Bank und den ganzen Kushner-Scheiß“, wird Bannon in dem Buch zitiert. Kushner ist Trumps Schwiegersohn und Berater und ist wie Trump und seine Familie Kunde der Deutschen Bank. 

Mueller hat im Rahmen seiner Untersuchung bereits Dutzende Mitglieder der Trump-Regierung befragt. Berichten zufolge will er auch ein Interview mit dem Präsidenten selbst führen. Dessen Anwälte plädieren jedoch dafür, Fragen schriftlich zu beantworten.

„Fire and Fury“, in dem Bannon eine zentrale Rolle spielt, hat dem Ex-Berater bislang nur Ärger eingebracht. Zwischen Trump und Bannon brach anschließend ein heftiger Streit aus. Der US-Präsident sagte öffentlich, Bannon habe im vergangenen Sommer nicht nur seinen Job im Weißen Haus, sondern auch seinen Verstand verloren. Das Weiße Haus hat seit der Veröffentlichung der ersten Auszüge den Anteil von Bannon an Trumps Wahlsieg und den an der strategischen Ausrichtung der Regierung immer weiter heruntergespielt. Trump drohte zudem mit juristischen Schritten, unter anderem wegen übler Nachrede und Beleidigung. 

Vergangene Woche verkündete das rechte Onlineportal „Breitbart News“, Bannon werde seine Position als Herausgeber aufgeben. Auch die Milliardärsfamilie Mercer, ein wichtiger Geldgeber für Breitbart, wandte sich öffentlich von Bannon ab.

Bannon, der für sein aufbrausendes Temperament und seine radikalen Ansichten bekannt ist, korrigierte seine Aussagen in dem Buch leicht und stellte klar, er habe nicht Trumps Sohn als verräterisch bezeichnet, sondern den damaligen Wahlkampfchef Paul Manafort, der genauso wie Kushner bei dem Treffen mit der russischen Anwältin dabei war. Manafort ist wegen Geldwäsche angeklagt und hat seinerseits wiederum die US-Justiz verklagt. 

Zuletzt war Trump in Bezug auf Bannon wieder etwas milder gestimmt. In einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ wurde er gefragt, ob er nun die Verbindung zu Bannon dauerhaft beendet habe. Er entgegnete: „Ich weiß nicht, was das Wort ‚dauerhaft’ heißt.“ 

Trump sei bekannt dafür, den Kontakt zu gefeuerten Beratern wiederaufzunehmen, berichtet die „New York Times“. Zuletzt habe er seinen ehemaligen Berater Michael Flynn kontaktiert, bevor er einen Deal mit Mueller ausgehandelt hatte, in vollem Maße in der Russland-Untersuchung zu kooperieren.

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