Russland
Anti-Putin-Proteste verlieren an Zulauf

Vor der Wahl gingen fast 100.000 Menschen gegen Putin auf die Straße. Mittlerweile hat sich die Zahl der Demonstranten um ein Viertel verringert. Ein Grund dafür sind die zahlreichen Festnahmen unter den Unzufriedenen.
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MoskauKnapp eine Woche nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Russland haben am Samstag erneut Tausende Menschen ihren Unmut über Ministerpräsident Wladimir Putin auf die Straße getragen. Wie schon bei den Kundgebungen zuvor skandierten die Menschen „Russland ohne Putin“. Doch die Proteste gegen den 59-Jährigen, der nach dem Votum zum dritten Mal als Präsident in den Kreml einzieht, verloren an Zulauf: Die Organisatoren sprachen von 25.000 Teilnehmern - vor der Wahl waren es zeitweise rund vier Mal so viele Demonstranten. In Moskau und anderen Städten des Landes kam es zu Festnahmen. US-Präsident Barack Obama gratulierte Putin inzwischen zum Sieg.

Der Polizei zufolge gingen rund 10.000 Menschen auf die Straße, unabhängige Beobachter sprachen von 20.000 Demonstranten. Nach zahlreichen Festnahmen von Demonstranten und wegen mangelnder Zugeständnisse Putins nach früheren Kundgebungen blieben offenbar viele Kritiker zu Hause. Die Teilnehmer aber setzten ihre Strategie fort: Wieder trugen sie weiße Schleifen, die zum Symbol der seit drei Monaten andauernden Proteste geworden sind. Sie schwenkten Fahnen, forderten auf Transparenten Neuwahlen und riefen „Zeit zum Wandel“.

Obwohl die Abstimmung am 4. März auch international kritisiert worden war, haben viele Oppositionspolitiker angesichts des großen Abstands zwischen Putin und seinen Herausforderern den Sieg des Ex-KGB-Spions akzeptiert. Putin kam auf 64 Prozent, gefolgt vom Kommunisten Gennadi Sjuganow mit weniger als 18 Prozent.

Der liberale Oppositionspolitiker Grigori Jawlinski, der nicht an der Wahl teilnehmen durfte, forderte die Protestbewegung am Samstag zur Geduld auf. „Wenn es etwa 15 Jahre gedauert hat, dieses System zu erschaffen, dann brauchen wir einige Jahre - drei, vier oder fünf - um es einzureißen“, sagte er. „Daher brauchen wir diese Demonstrationen.“ Der linksextreme Oppositionspolitiker Sergej Udalzow zeigte sich kämpferisch. Er rief zu einer Kundgebung von einer Million Menschen am 1. Mai auf. „Nur die Massen auf den Straßen können das System verändern“, rief er. „Deshalb kämpfen wir, bis wir an die Macht kommen.“ Kurze Zeit später nahmen Polizisten den auf einem Müllcontainer stehenden Udalzow fest. Er wollte mit Dutzenden Anhängern nach dem Ende der genehmigten Kundgebung zu einem Platz in der Moskauer Innenstadt ziehen. Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge wurden auch in anderen Städten wie St. Petersburg mehrere Demonstranten festgenommen.

Obama sagte, er und Putin seien sich einig, dass der von Obama nach seinem Amtsantritt vor drei Jahren angekündigte Neuanfang in den bilateralen Beziehungen in den kommenden Jahren ausgebaut werden solle, teilte die Regierung am Freitagabend in Washington mit. Das Telefonat drehte sich den Angaben zufolge auch um den Atomstreit mit dem Iran, den Syrien-Konflikt und die US-Pläne für einen Raketenabwehrschild.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Vor der Wahl gingen fast 100.000 Menschen gegen Putin auf die Straße. Mittlerweile hat sich die Zahl der Demonstranten um ein Viertel verringert."


    Mittlerweile hat sich die Zahl der Demonstranten AUF ein Viertel verringert.


    Würden die Zionisten diesen Quark selbst fabrizieren, würde es trotzdem ein Quark bleiben, dann wäre es aber wenigstens nicht mit Fehlern übersät.

  • Da werden die westlichen Medien mal wieder etwas mehr hetzen müssen, wenn die Russen nicht so wollen wie der Westen es wünscht. Ganz zu vergessen der Wille der Rating-Agenturen.

    Ich lach mich tot....

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