20 Bewertungen ***
25.08.2008 
Duma beschließt Anerkennung Abchasiens und Südossetiens

Russland ignoriert alle Warnungen

Russland geht in Georgien weiter nach seinen ganz eigenen Vorstellungen vor. Nach dem russischen Föderationsrat hat sich auch die Staatsduma für eine Anerkennung der Unabhängigkeit der von Georgien abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien ausgesprochen. In der EU werden die Rufe nach einer härten Gangart gegenüber Moskau immer lauter. Doch Frankreich will eins auf keinen Fall.

Der Kreml verfolgt im Georgien-Konflikt weiter ohne Rücksicht auf EU-Appelle seine eigenen Interessen. Foto: apLupe

Der Kreml verfolgt im Georgien-Konflikt weiter ohne Rücksicht auf EU-Appelle seine eigenen Interessen. Foto: ap

HB MOSKAU. Es ist weiterer Rückschlag für den Westen. Allen Appellen und Warnungen zum Trotz hat sich nach dem Föderationsrat hat sich auch die russische Duma für die Anerkennung der Unabhängigkeit der abtrünnigen georgischen Regionen Abchasien und Südossetien ausgesprochen. Präsident Dmitrij Medwedjew solle die Unabhängigkeit der beiden Gebiete anerkennen, forderten die Vertreter der beiden Parlamentskammern bei getrennten Abstimmungen am Montag in Moskau. Der Westen beharrt dagegen auf der territorialen Einheit Georgiens.

Die Anerkennung schütze die Menschen in den Gebieten vor äußerer Gefahr, stärke den internationalen Frieden und die Stabilität in der Region, hieß es in der Erklärung der Duma. Die Führungen der beiden abtrünnigen Provinzen boten Russland Abkommen über die Stationierung von Truppen auf ihren Gebieten an.

Präsident Medwedjew hatte zuletzt starke Sympathien für das Streben Abchasiens und Südossetiens nach Unabhängigkeit gezeigt. Unter russischen Experten ist aber umstritten, ob Medwedjew in nächster Zeit die Unabhängigkeit der Gebiete juristisch anerkennt. Die Initiative zur Anerkennung Südossetiens und Abchasiens hatte mit dem jüngsten Krieg im Südkaukasus starke Unterstützung im eigenen Land erfahren.

Die Gebiete hatten sich nach dem Zerfall der Sowjetunion in Bürgerkriegen Anfang der 1990er Jahre von Georgien abgespalten. Das jüngste Blutvergießen im Südkaukasus war dadurch ausgelöst worden, dass Georgien Anfang August Südossetien angriff. Daraufhin waren russische Einheiten im Nachbarland einmarschiert und hielten Teile des georgischen Kerngebietes vorübergehend besetzt. Russland kontrolliert weiterhin eine Pufferzone um die abtrünnigen Gebiete.

Bundesregierung kritisiert Beschluss

Der Beschluss der Duma dürfte für eine weitere Verschlechterung der europäisch-russischen Beziehungen sorgen. Die EU und auch Kanzlerin Angela Merkel hatten zuletzt ihren Ton gegenüber Moskau verschärft. Nach dem Beschluss des russischen Föderationsrates erklärte die Bundesregierung: Der Beschluss zu Südossetien und Abchasien widerspreche dem Prinzip territorialer Integrität Georgiens "und insoweit ist es ein Beschluss, der keineswegs geeignet ist, die Lage weiter zu beruhigen", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. "Insofern haben wir auch die Erwartung, dass weder die russische Regierung noch der russische Präsident diesem Beschluss des Föderationsrats Folge leisten werden."

Steg erklärte weiter: "Wir erwarten, dass auch die Punkte, die vereinbart sind, aber noch nicht erfüllt sind, in den nächsten Tagen erfüllt werden." Merkel habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass dies gelinge. Es gehe darum, dass die EU hierbei geschlossen bleibe. Dazu gehörten dann auch Beschlüsse, sagte Steg mit Blick auf den EU-Sondergipfel am 1. September.

Die Kanzlerin startete am Montagmittag ihre zweitägige Ostsee-Reise. In Stockholm will sie sich mit dem konservativen schwedischen Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt treffen. An diesem Dienstag fliegt sie weiter nach Estland und Litauen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige
Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Vorhersage Europa

weiterBildergalerien

zurück
  • Wie viel sich die Abgeordneten dazu...

    Wie viel sich die Abgeordneten dazuverdienen

    Bundestagsabgeordnete haben im vergangenen Jahr 6,66 Mio. Euro durch Nebentätigkeiten dazuverdient. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine deutliche Steigerung. Die Spitzenverdiener unter den Abgeordneten im Überblick.Bildergalerie 

  • Wachstumsprognosen: Wer was orakelt

    Wachstumsprognosen: Wer was orakelt

    Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nach Einschätzung von Konjunkturexperten kräftig schrumpfen. Unklar sind Ausmaß und Dauer der Rezession. Wirtschaftsinstitute, internationale Organisationen und Banken haben sich fast täglich mit finsteren Konjunktu...Bildergalerie 

  • Was den G8-Gipfel bewegt

    Was den G8-Gipfel bewegt

    Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen kommen die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) von heute an im italienischen L'Aquila zu ihrem Gipfeltreffen zusammen. Mitten in der Wirtschaftskrise wollen sich die Staa...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

G8 made in China 

09.07.2009Global Reporting

Souvenirs aus Italien sehen anders aus. Für die Mitreisenden beim G8-Gipfel in L’Aquila gibt es einen kleinen Plastik-Überraschungsrucksack. Blog


weiterMadagaskar

Obama stößt an seine Grenzen 

08.07.2009Madagaskar

Barack Obama hat ein bemerkenswertes Talent, Brücken zu schlagen - ob im eigenen Land, in Europa oder bei den Muslimen. Doch bei den Russen ist der US-Präsident an seine Grenzen gelangt. Blog


Handelsblatt Marktplatz

Die Suchmaschine mit über 200.000 Angeboten der besten Jobbörsen und Zeitungen. Weiter