Russland nach dem Jet-Abschuss
Putins Rache an der Türkei

Wladimir Putin droht der Türkei nach dem Flugzeugabschuss mit ernsten Konsequenzen. Russische Sanktionen würden türkische Unternehmen hart treffen – erste Geschäftsleute bekommen den Zorn des Kremls bereits zu spüren.

Nach dem Abschuss des russischen Bombers durch die türkische Luftwaffe im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat eine politische Eiszeit zwischen Moskau und Ankara eingesetzt. Das bekommt auch Cenk Baykara zu spüren: Mit einer Gruppe von rund 50 Kollegen war der türkische Unternehmer zu einer Landwirtschaftsmesse ins südrussische Krasnodar gereist.

Doch die Geschäftsreise endete hinter Gittern: Die türkischen Besucher wurden von der Polizei festgenommen und am Donnerstagmorgen vor Gericht gestellt. Der Vorwurf: Sie seien mit Touristenvisa eingereist, obwohl sie beruflich unterwegs waren. Die Urteile: jeweils 4000 Rubel Geldbuße (rund 57 Euro) und zehn Tage Haft. Danach sollen die Türken abgeschoben werden. „Wir wissen nicht, was mit uns geschehen soll“, berichtete Cenk Baykara verzweifelt per Telefon im Nachrichtensender CNN Türk.

Der Messebesuch mit Touristenvisa sei eine gängige Praxis, die von den russischen Behörden nie beanstandet wurde, so Baykara. Als er abgeführt wurde, hätten die Polizisten zu ihm gesagt: „Ihr habt unser Flugzeug abgeschossen, das hast Du nun davon.“

Während ausländische Politiker Russland und die Türkei zur Deeskalation mahnen, wächst in türkischen Wirtschaftskreisen die Sorge vor russischen Vergeltungsmaßnahmen. Für die türkischen Unternehmen steht viel auf dem Spiel, denn Russland ist ein wichtiger Wirtschaftspartner.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew kündigte am Donnerstag nach einer Kabinettssitzung wirtschaftliche Vergeltungsmaßnahmen an. Er habe seine Minister angewiesen, Strafmaßnahmen vorzuschlagen, wie die Aufkündigung von Investitionsprojekten.

Der russische Präsident Wladimir Putin kritisierte, die Türkei habe sich immer noch nicht für den „verräterischen Dolchstoß“ entschuldigt. Auch gebe es kein Versprechen der türkischen Führung, die für den Abschuss Verantwortlichen zu bestrafen, sagte Putin am Donnerstag bei einem Treffen mit ausländischen Botschaftern in Moskau. Die türkische Führung arbeite offenbar gezielt darauf, die Beziehungen beider Länder „in eine Sackgasse zu führen“.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sieht allerdings keinen Grund für eine Entschuldigung, „weil wir im Recht sind“. Er habe allerdings seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow telefonisch sein Bedauern ausgesprochen, sagte Cavusoglu.

Auch türkische Trucker erfahren die politischen Spannungen am eigenen Leib: „Die russische Grenze ist für türkische Fernlaster dicht“, berichtete der Chef des Verbandes der türkischen Spediteure (UND), Fatih Sener. Nach Angaben des Verbandes fahren pro Jahr rund 36.000 türkische Fernlaster nach Russland, teils über Georgien, teils über Bulgarien und die Ukraine.

Sie transportieren vor allem Textilien und Maschinenteile, aber auch Früchte und Nahrungsmittel. Aktuell würden etwa 100 bis 150 Laster an den russischen Grenzen aufgehalten, sagte Sener. Eine offizielle Erklärung gebe es nicht. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach vage von „verschiedenen Gründen“.

Scheinbar werden die türkischen Lastzüge einer eingehenden Kontrolle unterzogen. „Das würde bedeuten, dass alle Güter abgeladen und geprüft werden müssen, was Tage dauern kann“, so Sener. Ein Sprecher des Verbandes des türkischen Exportverbandes (TIM) bestätigte, dass Russland vorerst keine türkischen Lieferungen ins Land lasse.

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