Russland
Putin umgarnt Peking

Russlands Premier will beim Thema Gas Bewegung in die seit Jahren festgefahrenen Gespräche mit China bringen. Im Ölbereich haben beide Länder bereits milliardenschwere Verträge über Lieferungen geschlossen. Bisher sind die Partner im Gasbereich nicht über grundsätzliche Vereinbarungen hinausgekommen.
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MOSKAU. Russland will mit chinesischen Partnern drei Dutzend Verträge zur Zusammenarbeit im Energiesektor und der Entwicklung von Infrastruktur im Wert von 5,5 Mrd. Dollar unterzeichnen. Das sagte Russlands stellvertretender Regierungschef Alexander Schukow im Vorfeld des heute beginnenden Besuchs von Premier Wladimir Putin in China.

Im Februar hatten beide Länder bereits einen Vertrag über Öllieferungen geschlossen. Die Vereinbarung mit einer Laufzeit von 20 Jahren bescherte dem staatlich kontrollierten russischen Ölförderer Rosneft die Verlängerung eines Kredites über 15 Mrd. Dollar, China legte zudem weitere zehn Mrd. Dollar für den Pipelinekonzern Transneft dazu. Moskau hofft nun auf ein ähnlich gestricktes Abkommen im Gasbereich. Russlands Gaskonzern Gazprom hat in den vergangenen Wochen seine Bemühungen verstärkt, die seit Jahren dahin plätschernden Verhandlungen voran zu bringen; unter anderem hatte sich Konzernchef Alexej Miller in der vergangenen Woche mit dem Präsidenten von Petrochina getroffen.

Wie groß die Chancen auf einen Durchbruch sind, lässt sich schwer abschätzen. Russischen Berichten zufolge soll es in der Vereinbarung nicht um konkrete Liefermengen gehen, sondern nur um einen Rahmen für die Kooperation im Gasbereich.

Das Thema köchelt seit 2002: Über grundsätzliche Vereinbarungen sind die Partner bisher nicht hinausgekommen. 2004 und 2006 hatte Putin noch als Präsident Absichtserklärungen zum Bau von zwei Gaspipelines nach China unterzeichnet. Diese sollten vor allem aus dem sibirischen Kowikta-Gasfeld gespeist werden. Gazprom hatte den russisch-britischen Ölkonzern TNK-BP zwar dazu gedrängt, die Kontrolle über das Feld abzugeben. Fortschritte bei der Entwicklung des Vorkommens blieben aber aus - Gazprom und TNK-BP haben sich noch nicht über Details einigen können.

"Dreh- und Angelpunkt in den Gesprächen mit China ist selbstverständlich die Preisfrage", sagt Christopher Weafer, Chefstratege bei der russischen Privatbank Uralsib. China habe zu Beginn der Verhandlungen ein ähnlich vorteilhaftes Niveau gefordert, wie es damals für die Ukraine oder andere GUS-Länder galt, während Russland seinen Exportpreis für Westeuropa habe durchsetzen wollen. Inzwischen haben sich aber die Preise, für die Gazprom in die GUS-Länder liefert, mehr und mehr dem Marktniveau mit Europa angenähert und auch Russland kann nicht mehr zu Sonderkonditionen Gas aus Zentralasien beziehen. "Die Grundlage für die chinesische Forderung nach einem Preisnachlass ist daher zerstört", sagte Weafer.

Eigentlich sollte schon 2011 russisches Gas durch die beiden Pipelines nach China strömen. Das Gazprom-Management hofft, künftig bis zu 80 Mrd. Kubikmeter nach China liefern zu können - das wäre in etwa die Hälfte des Volumens für Westeuropa. In der Vergangenheit hatte die russische Führung immer wieder damit "gedroht", den asiatischen Markt als Alternative zum europäischen zu entwickeln - wegen der fehlenden Transportinfrastruktur ist dies auf absehbare Zeit aber nicht möglich. China hat zudem seine Verhandlungsposition durch ein Gasabkommen mit Turkmenistan verbessert, im Dezember starten die Lieferungen über eine neue Pipeline durch Zentralasien.

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