Russland
Putin weint über den Wahlsieg

Wladimir Putin kehrt in den Kreml zurück. Er gewinnt die Präsidentenwahl in der ersten Runde. Bei der Siegesfeier weint er vor Glück - und greift die Opposition an. Doch die wird er so schnell nicht mehr los.
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MoskauDer russische Regierungschef Wladimir Putin hat die Präsidentenwahl bereits in der ersten Runde für sich entschieden. Laut Wahlkommission hat Putin 63,75 Prozent der Stimmen bei dem Urnengang erzielt. Eine Stichwahl ist damit ausgeschlossen. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,3 Prozent der rund 110 Millionen Stimmberechtigten.

Putin erklärte sich umgehend zum Wahlsieger. „Ich habe euch versprochen, wir würden gewinnen - und wir haben gewonnen. Ruhm für Russland“, sagte Putin am Sonntagabend vor tausenden Anhängern im Zentrum Moskaus. Über seine Wangen liefen Tränen. Die Tränen waren „echt, aber echt wegen des Winds“, sagte Putin, als er in seiner Wahlkampfzentrale befragt wurde. Doch nicht alle waren von der Erklärung Putins überzeugt, der sich dem Volk gerne mit entblößtem Oberkörper beim Fischen und Jagen als starker Mann Russlands präsentiert. „Moskau glaubt den Tränen nicht“ schrieb der Blogger Slawik Zehner auf dem Kurznachrichtendienst Twitter in Anspielung auf einen berühmten sowjetischen Film von 1980, der am Sonntag im Fernsehen lief.

„Wir haben alle geschlagen, die Russland zerstört sehen wollen“, rief Putin am Abend etwa 100.000 Anhängern zu, die sich auf dem Manegen-Platz vor dem Kreml versammelt hatten. Die „offene und ehrliche“ Wahl sei ein Test für die Unabhängigkeit und Reife des Landes gewesen. Das russische Volk habe gezeigt, dass Versuche der Zerstörung des Staates zum Scheitern verurteilt seien. Das sagte Putin mit schneidendem Ton in der Stimme mit Blick auf die jüngsten friedlichen Massenproteste. Seine Unterstützer feierten ihn mit „Putin“-Sprechchören.

Putins Wahlkampfchef sprach gar von den „saubersten Wahlen in der russischen Geschichte“. Das Ergebnis sei ein Beweis, dass das Volk keinen Systemwechsel in Form eines Arabischen Frühlings in Russland wolle, sagte Sergej Goworuchin.

Putins stärkster Rivale, der Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, erreichte laut Wahlkommission 17 Prozent der Stimmen. Er kündigte umgehend an, das Ergebnis nicht anzuerkennen. Es sei intransparent und illegitim. Es folgen der ultrarechte Politclown Schirinowskij (7,1 Prozent), der Milliardär und liberale Politiker Prochorow (6,9 Prozent) und auf dem letzten Platz Parlamentspräsident Mironow (3,7 Prozent). Putin hatte auf einen Sieg in der ersten Runde und damit eine starke Legitimation gehofft.

Der bisherige Premierminister Putin war bereits von 2000 bis 2008 russischer Präsident gewesen. Da er nach der Verfassung 2008 nicht sofort wieder antreten durfte, installierte er seinen Vertrauten Dmitrij Medwedjew im Präsidentenamt. Medwedjew soll nun wieder Ministerpräsident werden. Der neue Präsident wurde das erste Mal gemäß geänderter Verfassung für sechs und damit zwei Jahre länger als bisher gewählt. Putin könnte nach seinem Zwischenspiel als Premier wieder zwei Amtszeiten als Kremlchef in Folge ableisten, wenn er 2018 noch einmal gewählt würde.

Die Opposition hatte bis zuletzt auf eine Stichwahl gehofft, obwohl Putins Werte in Umfragen zuletzt teils deutlich über der erforderlichen Mehrheit lagen. Für Montag haben die Unzufriedenen eine weitere Großdemonstration im Zentrum von Moskau angekündigt.

Kommentare zu " Russland: Putin weint über den Wahlsieg"

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    Im Artikel steht: Die Tränen waren „echt, aber echt wegen des Winds“, sagte Putin, als er in seiner Wahlkampfzentrale befragt wurde.

    Was soll also das Polemisieren?

    Und warum hantiert man jetzt lautstark immer mit dem Sammelbegriff "Opposition" herum? Wer ist das denn im Einzelnen?
    Keine Persönlichkeit weit und breit zu sehen, die den Riesenladen Rußland zu dessen Wohl und Prosperierung regieren könnte.
    Oder will man gar die Kommunisten wieder erstarken sehen, die die stärkste Truppe in der Opposition bilden?
    Welche Programme haben denn die kleinen Minderheiten zu bieten?


    "Putins stärkster Rivale, der Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, erreichte laut Wahlkommission 17 Prozent der Stimmen. Er kündigte umgehend an, das Ergebnis nicht anzuerkennen. Es sei intransparent und illegitim.
    Es folgen der ultrarechte Politclown Schirinowskij (7,1 Prozent), der Milliardär und liberale Politiker Prochorow (6,9 Prozent) und auf dem letzten Platz Parlamentspräsident Mironow (3,7 Prozent). Putin hatte auf einen Sieg in der ersten Runde und damit eine starke Legitimation gehofft."

  • auch Nero soll geweint haben, nachdem er Rom anzünden ließ.

  • Ja, wenn Sie zu den Oligarchen gehören.....

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