Russland sucht neue Lieferanten
Alles Käse

Mozzarella, Gouda und Edamer – Russen mögen Käse. Und leiden unter den Sanktionen. Die Suche nach neuen Bezugsquellen läuft. Für russische Importeure wird die Schweiz immer interessanter – doch die Sache hat einen Haken.
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MoskauAm Hauptsitz der Intercheese AG in der Schweiz hört das Telefon dieser Tage kaum noch auf zu klingeln. Am anderen Ende der Leitung ist in der Regel eine russische Stimme zu hören. Mindestens 14 russische Importeure haben Intercheese kontaktiert, seit die Regierung von Wladimir Putin Anfang August eine Reihe von Lebensmittelimporten aus Ländern verboten hat, die die Sanktionen gegen Russland unterstützen. Der Grund für das anziehende Geschäft: Die Schweiz hat sich nicht den Strafmaßnahmen der Europäischen Union, der USA, Kanadas, Australiens und Norwegens gegen Russland angeschlossen.

„Russische Importeure suchen nach Käsesorten, die sie nicht mehr von den Europäern bekommen – Mozzarella, Gouda und Edamer”, sagt Daniel Dätwyler, Geschäftsleiter des Privatunternehmens Intercheese. Die Firma aus Beromünster hat 2013 bis zu 20 Tonnen Käse nach Russland geliefert. Dätwyler zufolge werden die Verkäufe an das Land bei jenen Sorten im laufenden Jahr zunehmen, die von dem EU-Embargo am stärksten beeinträchtigt werden – auch wenn die Nachfrage nicht gedeckt werden kann.

Käse ist das wichtigste Agrarexportgut der Schweiz. Die Neutralität des Alpenlandes hat den heimischen Produzenten nun einen Vorteil bei der Ausfuhr der Sorten Le Gruyère und Emmentaler an die 142,5 Millionen Russen verschafft. Letztes Jahr haben die Schweizer Erzeuger 431 Tonnen Käse nach Russland geliefert, was nur einen Bruchteil der weltweit fast 63.000 exportierten Tonnen ausmachte, zeigen Daten der Eidgenössischen Zollverwaltung.

„Wenn das Embargo aufrechterhalten wird, ist es möglich, dass wir mehr Käse nach Russland ausführen werden”, sagt Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizerischen Bauernverbands. Zu den Sorten mit dem höchsten Potenzial gehört seiner Meinung nach Gruyère, da die Exporte dieses Schweizer Hartkäses in den vergangenen Jahren bereits angezogen haben.

Die Frage ist Bourgeois zufolge jedoch, ob die Schweiz die steigende Nachfrage auch bedienen kann. „Die Schweiz ist ein kleines Land, wir können die Produktion nicht von einem auf den anderen Tag verdoppeln”, erklärt er. „Wenn es eine höhere Nachfrage gibt, müssen wir natürlich sehen, dass wir das liefern können. Wir freuen uns über jedes zusätzliche Kilo, das wir exportieren können.”

Kommentare zu " Russland sucht neue Lieferanten: Alles Käse"

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  • Na ja, wenn in der Schweiz Käselieferengpässe nach Russland
    auftreten sollen, kann Käse aus Holland importiert werden,
    um diesen dann weiter nach Russland zu exportieren.

    Es gibt immer einen Käseweg, denn Käse ist bekanntlich rund und rollt. lol

  • Wenn die Schweiz Sanktionen zu ihrem eigenen Vorteil umgeht, muss sie damit rechnen, dass die EU das mindestens als "unfreundlichen Akt" versteht. Ein Entgegenkommen bei dem gewünschten "bilateralen Weg" bei Verträgen mit der EU kann die Schweiz dann wohl nicht mehr erwarten. Das hätte harte Auswirkungen für die Scheizer Exportwirtschaft, die den momentanen "Käsevorteil" bei weitem in den Schatten stellt.

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