Russland und das Sachalin-Projekt
Deutsche Energiefirmen bleiben gelassen

Die Intervention Russlands gegen Shells Sachalin-Projekt wirft auch Fragen nach der Sicherheit der deutschen Investitionen in den russischen Energiesektor auf. Eon Ruhrgas und Wintershall, die beide Gas in Sibirien fördern wollen, halten sich zwar noch bedeckt. Russlandexperten sehen die Entwicklung aber durchaus kritisch.

DÜSSELDORF. „Auf welcher Basis andere Unternehmen in Russland tätig sind, können wir nicht beurteilen und daher auch nicht kommentieren“, heißt es bei der BASF-Tochter Wintershall. Ähnlich äußert sich Eon Ruhrgas. Beide Unternehmen betonen aber zugleich ihre jahrelangen Geschäftsbeziehungen zum russischen Branchenriesen Gazprom. „Wintershall hat bislang keinerlei Probleme mit ihrem russischen Partner gehabt – und erwartet auch keine Beeinträchtigungen in der Zusammenarbeit“, heißt es.

Sowohl Eon Ruhrgas als auch Wintershall kooperieren eng mit Gazprom und wollen in den kommenden Jahren hohe Summen in Russland investieren.

Beide Konzerne beteiligen sich am Bau der neuen Pipeline von Sibirien durch die Ostsee nach Westeuropa und an der Erschließung des Gasfeldes Juschno Russkoje in Sibirien. Für beide Unternehmen führt letztlich kein Weg an Russland vorbei. Sie importieren mehr als ein Drittel ihres Gases, das sie in Europa verkaufen, aus Russland – realistische Alternativen dazu haben sie nicht.

Branchenexperten sehen dabei aber einen entscheidenden Unterschied zum Engagement des Shell-Konzerns auf Sachalin. Während Eon und Wintershall konsequent Gazprom als Partner einbinden, hatte sich Shell in den 90er-Jahren für das milliardenschwere Öl- und Gasprojekt auf Sachalin ausschließlich mit Westkonzernen verbündet. Branchenbeobachter werten das Vorgehen der russischen Regierung, die Shell die umweltrechtliche Genehmigung entzogen hat, vor allem als Versuch, Gazprom noch in das Projekt zu bringen und Russland den Zugriff auf die Ressourcen zu gewährleisten.

„Die Regierung benutzt das Argument Umweltschutz, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen“, sagt Shamil Yenikeyeff vom Oxford Institute for Energy Studies. „Hier wird ganz klar gesagt: Entweder ihr spielt nach unseren Regeln, oder gar nicht. Und die deutschen Konzerne haben dies bisher gut berücksichtigt.“

Besonders weit geht die Partnerschaft in der Tat bei Wintershall. Das Unternehmen hat mehrere Joint-Ventures mit Gazprom zur Produktion und zum Vertrieb von Gas geschlossen. Vor allem bei der Ausbeutung der Gasfelder seien die Russen sehr sensibel und wollten immer die unternehmerische Führung behalten, heißt es in Unternehmenskreisen. Wintershall respektiere das.

Eon hat zuletzt erfahren, wie schwierig die Geschäftsbeziehungen mit den russischen Partnern sein können. Der Konzern musste lange um eine Beteiligung an Juschno Russkoje bangen, obwohl er sogar mit rund sechs Prozent an Gazprom beteiligt ist. Die Gazprom-Führung pokerte zwei Jahre lang um einen hohen Preis und sicherte sich lukrative Beteiligungen von Eon in Ungarn.

Russland darf aber nicht zu hoch pokern, meinen Experten. „Investoren schauen jetzt mit einem irrsinnigen Fokus auf Sachalin, und könnten leicht verschreckt werden“, sagt Klaus Mangold, der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft. „Wichtig ist, was der russische Wirtschaftsminister gesagt hat: Die bestehenden Grundsatzverträge zwischen dem Westen und Russland bleiben unangetastet.“

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