Russland und die Sanktionen
Der Rubel fällt und fällt

Russland ächzt unter Sanktionen und dem niedrigen Ölpreis. Das hat auch Folgen für die Währung: Der Rubel verliert dramatisch an Wert. Für die Russen ist das ein schwerer Schlag – aber auch für deutsche Unternehmen.
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MoskauAngesichts der westlichen Sanktionen und der niedrigen Ölpreise verliert der russische Rubel rasant an Wert. An der Moskauer Börse Micex lag die russische Währung allein am Mittwoch um drei Prozent auf einen neuen Tiefstand von 44,90 zum US-Dollar ab. Am Donnerstag ging es weiter bergab und der Dollar teurer, aktuell 45,50 Rubel. Seit Jahresbeginn hat die Währung bereits um 25 Prozent an Wert eingebüßt.

Die russische Zentralbank hatte am Mittwoch erklärt, sie werde ihre Eingriffe an den internationalen Geldmärkten auf ein Volumen von 350 Millionen Dollar pro Tag beschränken. Im Oktober hatte das Institut bis zu drei Milliarden Dollar pro Tag aufgewendet, um den Rubel zu stützen.

Wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine hatten die USA und die Europäische Union Strafmaßnahmen verhängt, die in Russland zu spüren sind. Die Ölpreise sind für das Land sehr wichtig, weil dies das wichtigste Exportgut ist.

Die Talfahrt der russischen Währung markiert gegenüber dem Dollar ein Rekordtief nach dem anderen. Doch auch gegenüber anderen Währungen sieht es nicht besser aus: Ein Euro kostet rund 56 Rubel – so viel wie nie zuvor. Lange Zeit hatte sich der Rubel bei rund 40 für jeden Euro halten halten.

Für die Russen ist der Verfall der eigenen Währung ein schwerer Schlag. Denn vor allem größere Geschäfte wie der Autokauf werden häufig in Dollar abgewickelt. Händler nehmen den Greenback gerne Cash. Für viele Russen, die ihr Gehalt in Rubel beziehen, werden hochpreisige Güter damit deutlich teurer.

Ein Teufelskreis kommt in Gang. Viele russische Firmen haben wegen der Sanktionen keinen direkten Zugang zu den internationalen Finanzmärkten mehr. Ihnen bleibe nichts anderes übrig, als den Rubel in andere Währungen umtauschen müssen, um ihre Auslandsschulden zu bezahlen, sagte Analyst Maxim Korowin von VTB Capital. Damit tragen sie auch indirekt zum Kursverfall der eigenen Währung bei.

Die Talfahrt der Währung wird erst ein Ende nehmen, wenn die russische Zentralbank ihre Interventionen unvorhersehbar macht, sagte Ivan Tchakarov, Chefökonom der Citigroup in Moskau, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

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  • Es ist nicht nur der Rubel, der gegen den USD schwach wird. Dem Euro geht es nicht viel anders.

  • Es ist keineswegs so, dass der Rubel-Verfall zu Ende gehen wird, wenn die Zentralbank unvorhergesehen interveniert. Die Möglichkeiten sind inzwischen so gering, dass es keinen Effekt haben wird.

    Zur Zeit kämpfen rund 8.000 russische Soldaten in der Ostukraine. Die Sanktionen wurden verhängt, daraufhin hat Russland im Minker Abkommen den Rückzug zugesagt. Dieses Versprechen wird täglich gebrochen - während sich die Ukraine bekanntlich peinlich genau an das Abkommen hält.

    Wenn Russland seine Angriffstruppen zurückzieht und die OSZE-Überwachung der Grenze zulässt und die internationale Grenze respektiert (die drei Zusagen Russlands aus dem Minker Abkommen), dann werden die Sanktionen ausgesetzt und dann wird der Rubel-Verfall nicht mehr so schnell weiter gehen.

    Das andere Problem ist die völlig falsche Wirtschaftspolitik Putins, der 15 Jahre gut von den Öleinnahmen gelebt hat und nichts investiert hat. Das wird nochmal 15 Jahre dauern, bis ein kluger Nachfolger das in Ordnung bringt. Und erst dann könnte der Rubel sich erholen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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