Russland und Syrien

Beschwichtigen, drohen, taktieren

Vor dem G20-Gipfel gibt sich Wladimir Putin flexibel: Russlands Präsident zweifelt die Beweise gegen Assad an und droht den USA im Fall eines Militärschlages mit Konsequenzen. Zugleich öffnet er sich eine Hintertür.
Update: 05.09.2013 - 22:35 Uhr 22 Kommentare
Russlands Präsident Putin: „äußerst entschieden handeln“ Quelle: ap

Russlands Präsident Putin: „äußerst entschieden handeln“

(Foto: ap)

MoskauRusslands Präsident Wladimir Putin hat vom Westen erneut Beweise für die vermuteten Chemiewaffeneinsätze durch die syrische Führung verlangt. Wenn es für die Vorwürfe Belege gebe, müssten sie im Uno-Sicherheitsrat vorgelegt werden, sagte Putin am Mittwoch im Interview mit der Nachrichtenagentur AP und dem russischen Staatssender Kanal Eins.

Wenn die Beweise jedoch „überzeugend“ seien, werde Russland „äußerst entschieden“ handeln und könnte einem militärischen Eingreifen unter Einbeziehung des Sicherheitsrates zustimmen. Zudem gab Putin an, Russland habe Lieferungen von Raketenabwehrsystemen des Typs „S-300“ nach Syrien ausgesetzt. Sein Land halte sich ansonsten aber an vertragliche Verpflichtungen, die Regierung in Syrien mit Rüstungsgütern zu beliefern.

An diesem Donnerstag und Freitag werden sich im russischen St. Petersburg die Staats- und Regierungschefs der G20-Nationen treffen. Bestimmendes Thema des Gipfels dürfte der Syrien-Konflikt werden. US-Präsident Barack Obama will darüber in Vier-Augen-Gesprächen unter anderem mit seinen Amtskollegen Francois Hollande aus Frankreich und dem Chinesen Xi Jinping sprechen. Ein separates Treffen mit Putin ist derzeit nicht geplant.

Russland ist einer der letzten Verbündeten von Syriens Staatschef Baschar al-Assad, dem mehrere westliche Staaten Chemiewaffeneinsätze mit hunderten Toten vorwerfen. Die USA und Frankreich erwägen einen Militärschlag. Russland und China blockieren hingegen eine Resolution des Sicherheitsrats. Mehrfach hatte Putin an die USA appelliert, nicht einseitig gegen Syrien vorzugehen und zuerst Beweise für den Giftgas-Einsatz vorzulegen. Russland geht davon aus, dass Rebellen hinter den Giftgasangriffen stecken, nicht die Regierung.

Unterdessen haben britische Forscher nach den Worten von Premierminister David Cameron neue Beweise für den Einsatz von Giftgas nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus. Die Beweise, die von Experten der Forschungseinrichtung in Porton Down untersucht würden, zeigten „den Einsatz von Chemiewaffen in dem Damaszener Vorort“, sagte Cameron am Donnerstag in einem Interview der britischen BBC.

Nach Angaben eines Sprechers von Camerons Büro bezog sich der Regierungschef in dem Interview auf Beweismaterial, zu dem die Kleidung eines der mutmaßlichen Opfer des Chemiewaffeneinsatzes und eine Bodenprobe gehörten, die in der Gegend entnommen worden sei. In beiden Fällen sei das tödliche Nervengas Sarin nachgewiesen worden, sagte der Sprecher, der anonym bleiben wollte.

Cameron wollte aus Sicherheitsbedenken in dem Interview nicht sagen, wann und wie das Beweismaterial aus Syrien nach Großbritannien gelangt sei. Unklar blieb zunächst auch, ob aus den britischen Tests eine Erkenntnis darüber hervorgeht, wer für den Chemiewaffenangriff am 21. August in Syrien verantwortlich ist. Cameron sagte laut BBC, die Beweise für die Schuld der Assad-Regierung „nehmen ständig zu“.

Angesichts der Vorbereitungen in den USA für einen Militärschlag warnte Putin zugleich davor, ohne Uno-Mandat loszuschlagen. Andernfalls habe Russland bereits Pläne für eine Reaktion. „Wir haben unsere Ideen, was wir tun werden und wie wir es tun werden, falls die Situation sich hin zu dem Einsatz von Gewalt entwickelt“, sagte Putin.

Putin streitet Diskriminierung Homosexueller ab
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Russland und Syrien - Beschwichtigen, drohen, taktieren

22 Kommentare zu "Russland und Syrien: Beschwichtigen, drohen, taktieren"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @G.N.

    ... und das impliziert seine Akzeptanz dieser Beweise in Form einer UN-Resolution - die es nie geben wird (Veto).

    Er kann dies ruhig zugestehen, denn sowohl Motiv (wer profitiert) als auch die spärlichen Indizien, die wir außerhalb der interessierten Geheimdienste haben deuten auf die "Rebellen" (ausländische Söldner) und Saudiarabien als Giftgas-Lieferanten. Vermutlich weiß Putin dies aus ersten Hand, so daß er der "Beweisführung" Obamas gelassen entgegen sehen kann.

    Ich vermute, als nächstes kommt daher bald ein "False-flag-Angriff" des hochgerüsteten eroberungslüsternen Syriens auf die hilflose friedliche und völlig ungerüstete Türkei - was dann immerhin den Natofall auslösen würde.

    Praktischerweise sind unsere Soldaten schon vor Ort.
    Wie war das: Beteiligung an der Vorbereitung eines Angriffskrieges, Frau Merkel? Holt unsere Soldaten zurück. Die Amis haben ca. 60000 Besatzungs-Soldaten in Deutschland - die reichen sicherlich aus, um unsere 400 "Patrioten" in der Türkei zu ersetzen.

  • @G.N.

    Rußland schickt das Flaggschiff seiner Schwarzmeerflotte, einen Raketenkreuzer, ins Mittelmeer:

    http://www.zerohedge.com/news/2013-09-04/russia-sends-missile-cruiser-moskva-destroyer-and-frigate-syria

    Wann schicken sie ihren Flugzeugträger mit Begleitflotte in den Persischen Golf? Saudiarabien hat die Finanzierung des Tschetschenienkrieges gegen Rußland gestanden - ganz wie übrigens auch die Finanzierung ihrer Terroristen in Syrien. Wer könnte es da den Russen verübeln, wenn sie die Saudis mal ein bischen aufmischen. Ein von außen finanzierter Krieg innerhalb der Russischen Förderation - ich möchte mal die Amis sehen, wenn es so etwas umgekehrt gegeben hätte.

    Also, so ein paar kleine Raketentests entlang der saudischen (Öl)Küste, so im Stil der israelisch-amerikanischen Tests kürzlich im Mittelmeer .... das würde doch mal wieder etwas Spannung aufkommen lassen...

    Zum Glück sind die Russen wesentlich besonnener als die US-Kriegstreiber - und verzichten auf derartige Spielchen. Ich hoffe aber, die Amis verstehen das nicht falsch - nämlich als Schwäche. Putin ist nicht Jelzin! So ein Mißverständnis könnte die Katastrophe auslösen, die die Besonnenheit der Russen eigentlich verhindern will.

  • Der OBAMA-Sager: Bei einem Giftgaseinsatz wird die rote Linie überschritten - war ein schwerer Fehler.

    Er brachte damit höchstwahrscheinlich radikalislamische Rebellen in Syrien auf eine grauenhafte Idee und sich selbst in Zugzwang.

    Die wirklich Schuldigen erwischt man nicht, und leiden müssen die Zivilisten, die von allen Seiten angegriffen werden.
    Und nach beendetem Krieg freuen sich die internationalen
    Terroristen über ein neu entstandene Operationsbasis für sie.

    Intelligenter wäre da wohl ein (freilich mühsam)ausgehandelter Kompromiß mit Putin bzw Assad.

  • Es ist eine Sensation: Putin ist der einzige, der in diesem von Obama inszenierten Affentheater um den Einsatz Chemischer Kampfstoffe in Syrien klaren Kopf behält. Putin, d.h. Russland übernimmt die Schiedsrichterfunktion. Sind die "Beweise" der USA wahr?, überzeugend? - oder eben nicht! Ein diplomatisch sehr kluger Schachzug Putins!

  • Gesetz gegen „Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“ unterschrieben

    Wann wird ein ähnliches Gesetz bei uns eingebracht?

    Jeder soll lieben und §$"%& wen oder was er will und niemand sollte Homosexuelle diskriminieren, ABER diese übereifrige Pro-Homo-Kampagnen verschiedener Kräfte kommen einer Förderung der Homosexualität bei, für die es keinerlei Grund geben kann.

    Wir brauchen in diesem Land Kinder und denen können Homsexuelle nicht das Leben schenken, insoweit wurden sie faktisch von der Natur "diskriminiert".

  • Ich ahbe auch schon gelesen, dass der Giftgas-Angriff vo den islamischen Febellen gekommen sei.
    Es is also übrhaupt noch gar nichts bewiesen

  • Putin, lassen Sie sich von den arroganten, aalglatten, amerikanischen Lumpen und Betrüger nicht reinlegen.
    Die Typen sagen "nie" die Wahrheit!!!!!

  • "Putin deutet Zustimmung zu Einsatz an"

    Aber nur nach der Vorlage von echten Beweisen, die es seiner Ansicht nach bislang NICHT gibt!

  • Denn beim NSA kommt es regelmäßig vor, dass man durch einen nicht behebbaren Softwarefehler statt Papua-Neuguinea unerwartet Washington abhört....

    ...und noch nicht einmal den Unterschied der Sprachen bemerkt!
    Wie praktisch, wenn alles gleich in "Englisch" geliefert wird, nicht?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%