Ruhani, Putin und Erdogan

Am Mittwoch wollen sich Hassan Ruhani, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan in Ankara treffen und über die Zukunft Syriens beraten.

(Foto: AP)

Russland und Türkei Spannungen mit dem Westen schweißen Putin und Erdogan zusammen

Noch vor zwei Jahren standen Russland und die Türkei kurz vor direkter militärischer Konfrontation. Jetzt steht man sich so nah wie nie zuvor.
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AnkaraDie einen sehen sich wegen des Giftanschlags auf einen ehemaligen Spion massiven diplomatischen Protesten ausgesetzt, die anderen stehen in der internationalen Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen und der Militäroffensive gegen kurdische Milizen in Syrien. Vor diesem Hintergrund sind die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei so eng geworden wie nie zuvor.

Am Dienstag reist der russische Präsident Wladimir Putin in die Türkei und trifft dort Präsident Recep Tayyip Erdogan. Aus der Ferne sollten Putin und Erdogan an der Grundsteinlegung einer von Russland gebauten Nuklearanlage in der Stadt Akkuyu an der Mittelmeerküste teilnehmen. Am Mittwoch sollen er, Erdogan und der iranische Präsident Hassan Ruhani in der türkischen Hauptstadt Ankara auf einem Gipfeltreffen über die Zukunft Syriens beraten.

Die Türkei und Russland haben ihre traditionelle Rivalität und die Differenzen über regionale Angelegenheiten beiseite geschoben und ihre wirtschaftlichen Beziehungen belebt. Im Dezember verabschiedeten sie ein Dokument, mit dem die Türkei das russische Langstrecken-Raketen-Abwehrsystem S-400 erwarb. Der Deal sorgte für Irritationen bei den Nato-Verbündeten der Türkei. Neben der Nuklearanlage in Akkuyu bauen die beiden Länder gemeinsam noch die TurkStream-Pipeline, um russisches Gas in die Türkei zu transportieren.

„Die türkisch-russischen Beziehungen sind in einem besseren Zustand als noch vor zwei Jahren. Beide Seiten arbeiten zusammen“, sagt Mitat Celikpala, Professor für Internationale Beziehungen an der Kadir-Has-Universität in Istanbul. „Sie schafften es, die Dinge voneinander zu trennen“, erklärt er mit Verweis auf Differenzen etwa in der Zypern-Frage oder der Annexion der Krim 2014. „Wenn man alle diese Themen links liegen lässt, sind sie gute Partner für die Umsetzung aktueller Interessen.“

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern erwärmten sich, nachdem sich zuvor das Verhältnis der Türkei zu Europa abgekühlt hatte. Gespräche über eine EU-Mitgliedschaft des Landes liegen auf Eis. Mehrere EU-Mitgliedsstaaten haben ihre Sorge über die zunehmend autoritäre Herrschaft in der Türkei und das Vorgehen gegen Freiheit und Menschenrechte ausgedrückt, besonders nach dem Putschversuch im Jahr 2016, für den die Türkei den in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen verantwortlich macht.

Die Türkei wiederum wirft der EU vor, sie unterstütze kurdische Rebellen und mutmaßliche Drahtzieher des gescheiterten Putsches. Den USA wirft man neben der Unterstützung der kurdischen Kämpfer, die Ankara als Terroristen einstuft, vor, Gülen Unterschlupf zu gewähren.

Vergangene Woche erklärte die Türkei, sie werde sich nicht den Entscheidungen vieler Nato- und EU-Mitglieder anschließen und russische Diplomaten ausweisen - genau dies hatten viele westliche Staaten als Antwort auf den Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter in Großbritannien getan. Der Westen macht Moskau für den Anschlag verantwortlich. Mehr als zwei Dutzend Länder haben über 150 russischen Diplomaten die Tür gewiesen.

Die Türkei verurteilte zwar den Anschlag mit dem Nervengift auf britischem Boden, brachte Russland damit aber nicht in Verbindung und betonte die guten Beziehungen zu Moskau. „Nur weil einige Länder Schritte auf der Basis von Anschuldigungen unternommen haben, müssen wir nicht den gleichen Schritt tun“, sagte Erdogan.

Putin und Erdogan haben sich im vergangenen Jahr mehrfach getroffen. Zudem telefonieren sie regelmäßig. Zusammen mit dem Iran arbeiten sie an sogenannten Deeskalationszonen in Syrien. Ziel ist es, die Kämpfe dort zu reduzieren und die Konfliktparteien zu Verhandlungen über die Zukunft des Landes zusammenzubringen.

Zu der Kooperation kam es trotz der Unterstützung gegensätzlicher Parteien in dem Konflikt. Moskau steht an der Seite des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Türkei unterstützt dagegen dessen Gegner, seit der Krieg vor rund sieben Jahren ausbrach. Diese widersprüchlichen Interessen führten sogar zum Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei an der syrischen Grenze im November 2015. Damals standen beide Nationen am Rand eines direkten militärischen Konflikts.

Moskau reagierte zunächst mit dem Stopp von Reisen in die Türkei, die bis dahin ein sehr beliebtes Reiseziel für viele Russen war. Zudem wurden keine Landwirtschaftsprodukte aus der Türkei mehr eingeführt. Doch als sich Erdogan für den Abschuss entschuldigte, kam es zur Versöhnung.

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