Russland und USA einig
Weltmächte arbeiten auf Feuerpause für Syrien hin

Mehr als 470.000 Menschen sind im syrischen Bürgerkrieg schon gestorben, 1,9 Millionen wurden verletzt. Friedensverhandlungen scheiterten bisher. Doch es gibt Hoffnung – nach ersten Gesprächen der Weltmächte in München.

MünchenNach einem stundenlangen Ringen hat sich die Kontaktgruppe für Syrien am Freitagmorgen auf erste Schritte geeinigt, um das Blutvergießen in der Bürgerkriegsregion zu beenden. Kurz nach ein Uhr traten der amerikanische Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow in München vor die Presse und verkündeten einen ambitionierten Plan, der binnen einer Woche zu einem Waffenstillstand führen soll.

Danach sollen die Menschen in den umkämpften Gebieten noch am Wochenende erste Hilfslieferungen mit Lebensmitteln und Medikamenten erhalten. „Wir kennen die Erfahrungen der Vergangenheit, deshalb spreche ich heute nicht von einem Durchbruch“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. „Ob das ein Durchbruch war, wird sich in den nächsten Wochen beweisen müssen.“ Der SPD-Politiker hatte das Treffen in München als „entscheidend“ bezeichnet. Syrien stehe an einem Scheidepunkt.

Die Vereinbarung zwischen den 17 Außenministern sowie Uno, der EU und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) sieht eine deutliche Reduzierung der Kämpfe in den kommenden Tagen vor. Ob es danach wirklich zu der angestrebten Feuerpause kommt, ist allerdings ungewiss.

„Das ist eine komplizierte Aufgabe. Es gibt zu viele Kräfte, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind“, sagte Lawrow. Er hoffe, dass die Opposition ihren Verpflichtungen gegenüber Zivilisten nachkommen werde. Das Hauptziel aller Beteiligten sei die Abwehr der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Russland werde das Bombardement gegen den IS und die mit Al-Kaida verbündete Nusra-Front daher fortsetzen. Angriffe auf diese beiden Gruppen sind der Münchner Vereinbarung zufolge zulässig.

Skeptisch äußerte sich auch der britische Außenminister Philip Hammond. Eine Feuerpause werde nur gelingen, wenn Russland seine Luftangriffe stoppe, die den syrischen Truppen Geländegewinne gegen die Opposition ermöglichten, sagte der Brite. Um zu gewährleisten, dass der Waffenstillstand eingehalten wird, soll es künftig eine engere Abstimmung zwischen dem russischen und amerikanischen Militär geben. Die USA und Russland wollen dazu in den kommenden Tagen weitere Gespräche aufnehmen.

Die größte syrische Oppositionsgruppe begrüßte die Vereinbarung von München. Den Worten müssten jedoch Taten folgen, ehe seine Gruppe wieder zu den Friedensverhandlungen reise, sagte ihr Sprecher Salim al-Muslat. „Wenn wir feststellen, dass gehandelt und die Vereinbarung umgesetzt wird, dann werden wir uns sehr bald in Genf sehen“. Eine Fortsetzung der zuletzt gefährdeten Friedensverhandlungen war erklärtes Ziel der Münchner Konferenz.

Seite 1:

Weltmächte arbeiten auf Feuerpause für Syrien hin

Seite 2:

Heizt Russland den Bürgerkrieg an?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%