Russland verdoppelt Preis
Georgien zahlt mehr für Gas

Georgien hat höheren Preisen für russisches Erdgas zugestimmt. Der russische Staatsmonopolist Gazprom hatte seiner Preisforderung mit ersten Lieferstopps für georgische Städte und Landkreise Nachdruck verliehen.

HB MOSKAU. Russlands Staatskonzern Gazprom hat eine Verdoppelung der Gaspreises für Georgien durchgesetzt. Damit setzte sich das Unternehmen am Freitag in offenbar schwierigen Verhandlungen durch. Die georgische Regierung kritisierte die Erhöhung als politisch motiviert. Georgien wolle nun versuchen, den Löwenanteil seines Gasbedarfs statt in Russland in Aserbaidschan zu decken.

Georgien werde vom kommenden Jahr an 235 Dollar je 1000 Kubikmeter Erdgas zahlen, teilte Gazprom mit. Die Verträge sehen zunächst ein Liefervolumen von 1,1 Mrd. Kubikmetern vor, was rund 60 Prozent des georgischen Jahresverbrauchs entspricht. Ministerpräsident Surab Nogaideli sagte jedoch, er hoffe, dass Aserbaidschan bis zu 70 Prozent des Bedarfs liefern könnte. „Wir sind derzeit gezwungen, Gas von Russland zu kaufen. Das ist nur eine kurzfristige Lösung“, betonte er. Grund sei, dass Aserbaidschan den Lieferbeginn aus technischen Gründen um mehrere Wochen verschoben habe. Diese Probleme würden aber bald gelöst. Erst am Donnerstag hatte Georgiens Präsident Michail Saakaschwili versucht, die Türkei zur Abtretung eines Teils ihres Gases aus Aserbaidschan zu Gunsten Georgiens zu bewegen.

Noch Minuten vor der Einigung zwischen Gazprom und Georgien hatte das Unternehmen damit gedroht, der ehemaligen Sowjetrepublik zum 1. Januar den Gashahn zuzudrehen. Die Regierung in Tiflis habe den Konzern brüskiert, indem sie die gewünschte Preiserhöhung als inakzeptabel verurteilt und politische Beweggründe unterstellt habe, teilte Gazprom mit.

Im Vorfeld der Verhandlungen hatten sich die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter verschlechtert. Vorläufiger Tiefpunkt war der Streit über die vorübergehende Festnahme von vier unter Spionageverdacht geratenen russischen Soldaten in Georgien im September. Russland verhängte nach den Festnahmen eine Post-, Luft- und Seeblockade gegen das Kaukasus-Land. Zudem wurden zahlreiche Georgier aus Russland abgeschoben. Hintergrund ist Georgiens Annäherung an den Westen und die Nato. Russland fürchtet dadurch den Verlust einer Einflusszone und unterstützt abtrünnige georgische Regionen.

Den Vorwurf, mit Energielieferungen Politik zu machen, hatte Russland auch der Streit über Preiserhöhungen mit der Ukraine im vergangenen Winter eingebracht: Damals stellte Gazprom die Lieferungen vorübergehend ein, was zu Liefereinschränkungen auch in Deutschland geführt hatte. Auch mit Georgien war damals Streit ausgebrochen, nachdem Explosionen an einer Pipeline die Versorgung unterbrochen hatten. Georgien warf Russland damals Sabotage vor.

Russland hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die alten Preise müssten erhöht werden, weil sie weit unter dem am Weltmarkt üblichen Niveau lägen. Viele Verträge entstammten noch sowjetischer Tradition, als die einzelnen Republiken subventioniertes Gas bekommen hätten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%