Russland versus Türkei
Ist Erdogans Sohn der Ölminister des IS?

Ein Sohn des türkischen Präsidenten soll mit Öl und anderen Gegenständen handeln, die der IS erbeutet. Die Vorwürfe wiegen schwer. Manches wirkt übertrieben – und manches ergibt verdächtig viel Sinn.
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IstanbulDie Fakten sehen so aus: Ende November schoss das türkische Militär einen russischen Kampfjet ab, weil dieser angeblich für kurze Zeit in türkischen Luftraum eingedrungen war. Doch warum die Türkei derart drastisch darauf reagierte, ist seitdem Gegenstand erheblicher Spekulationen.

Am Freitag sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, die Türkei habe mit dem Abschuss turkmenische Siedler in Nordsyrien schützen wollen. Die Turkmenen sollen der türkischen Lesart nach zuvor von demselben Kampfjet angegriffen worden sein. Russlands Präsident Wladimir Putin sieht das anders: Seiner Meinung nach habe die Türkei mit dem Abschuss ihre Geschäfte mit der Terrormiliz IS schützen wollen – vor allem die seines dritten Sohnes Necmettin Bilal Erdogan. Demnach soll er sein Geschäft gefährdet sehen, weil Putins Bomber konsequent Öllaster des IS zerstöre.

Es ist eine von vielen Theorien für den Abschuss. Trotzdem gibt es einige Hinweise, die nahelegen, dass diese nicht aus der Luft gegriffen ist. Der 34-jährige Bilal hat auf dem Papier einen makellosen Lebenslauf vorzuweisen. Seit 2003 ist er verheiratet, hat inzwischen zwei Söhne. An der renommierten US-Universität Harvard machte er 2004 seinen Master-Abschluss, arbeitete danach einige Zeit als Praktikant bei der Weltbank. Er sitzt im Vorstand einer Stiftung, die Studentenwohnheime baut und betreibt.

Im Jahr 2006, als sein Vater längst Ministerpräsident war, kehrte Bilal Erdogan aus den USA zurück – Medienberichten zufolge, um sich eine Flotte Öltanker zu kaufen. Zu welchem Zweck, ist nicht wirklich bekannt. Klar ist hingegen, dass er einer von drei gleichberechtigten Eigentümern der Transportfirma BMZ Group ist.

Im Jahr 2013 wurde Bilal Erdogan von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, Bestechungsgelder seines Vaters zu waschen. Grundlage war ein Dossier, das Fotos und Telefonmitschnitte zwischen Bilal und seinem Vater beinhaltete. Der damalige Premierminister befiehlt demnach seinem Sohn, „das ganze Geld im Haus“ verschwinden zu lassen. Viele bezeichneten den Mitschnitt als authentisch. Andere wiederum kritisierten, das Gespräch wirke künstlich und technisch nicht einwandfrei belegbar.

Es gibt allerdings weitere Ungereimtheiten. Bilals Stiftung muss offenbar selten für Grundstücke bezahlen, auf denen sie neue Studentenheime bauen will. So schenkte der ebenfalls wegen Bestechung verdächtigte Geschäftsmann Ali Agaoglu der Stiftung ein 20.000 Quadratmeter großes Grundstück. Viele vermuten, er habe dafür Regierungsaufträge erhalten und sei seinerseits leichter an Baugenehmigungen gekommen.

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