Russlandbesuch
Obama: „Amerika möchte ein starkes Russland“

Großer Auftritt für US-Präsident Barack Obama: In seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede vor der "Neuen Ökonomischen Schule" in Moskau sagte Obama, dass seit dem Ende des Kalten Krieges nicht alle Erwartungen erfüllt worden seien.

HB MOSKAU. Das Ende des Kalten Krieges hat nach den Worten von US-Präsident Barack Obama die harten Zeiten für viele Menschen in Osteuropa und Russland nicht beendet. Es sei zwar auch großer Wohlstand entstanden, aber es gebe noch viel Armut. Dennoch ginge es Osteuropa und Russland heute viel besser als noch vor 20 Jahren. Obama verwies auf demokratische Defizite in den früheren Ländern des Ostblocks: Zwar seien viele Menschen zu den Wahlurnen gegangen, "aber zu viele Regierungen haben es nicht geschafft, die Rechte ihrer Bürger zu schützen".

Russland befindet sich nach den Worten Obamas in "einer Zeit des Übergangs". Ideologische Streitereien in der Welt gehörten zwar der Vergangenheit an, allerdings habe die Zahl der ethnischen und religiösen Konflikte zugenommen.

Obama erinnerte an die "düstersten Tage des Kalten Krieges", als Wasserstoffbomben oberirdisch getestet und Kinder trainiert wurden, in Bunker zu flüchten und die Welt am Rande einer nuklearen Katastrophe gestanden habe. Die USA und die damalige Sowjetunion hätten sich in einer militärischen und ideologischen Konfrontation gegenübergestanden. Das Ende dieser Zeit sei nicht das Verdienst eines einzigen Landes. Viele hätten dazu beigetragen, vor allem aber die Völker in Russland und Osteuropa, die sich gegen das System erhoben hätten.

"Amerika möchte ein starkes, friedliches und blühendes Russland", betonte Obama. Dies liege im Interesse der ganzen Welt. Die Entwicklung in Russland bestimme das Leben aller Menschen mit, sei es bei der Frage der Nuklearwaffen oder des Kampfes gegen Extremismus, den freien Märkten oder Umweltfragen. Deshalb brauche es "globale Partnerschaft, und diese Partnerschaft wird stärker sein, wenn Russland seinen angestammten Platz als Großmacht einnimmt".

Das neue Russland darf sich nach den Worten Obamas bei seiner Standortbestimmung und seiner Vorstellung von Macht nicht von der Vergangenheit beeinflussen lassen. Es sei die Sichtweise des 20. Jahrhunderts, dass Russland und die USA gegensätzliche Interessen hätten, und dass die Stärke des einen Landes mit der Schwäche des anderen verbunden sei. Es sei Denken des 19. Jahrhunderts, das von "Einflusssphären" ausgehe und dass "Großmächte Blöcke schmieden müssen um eine Balance zwischen ihnen herzustellen". Das seien falsche Sichtweisen.

Heute hänge die Stärke der Großmächte nicht ab von der "Dominanz über andere Länder" oder der "Dämonisierung anderer Länder", sagte Obama. "Die Tage, an denen Großmächte andere souveräne Staaten behandeln konnten wie Schachfiguren sind vorbei." Angesichts der gegenseitigen Abhängigkeiten in der Welt werde "jede Weltordnung, die darauf gründet, dass sich ein Land oder eine Gruppe von Leuten über die anderen erhebt, scheitern". Auch deshalb habe er zu einem "Neustart" in den Beziehungen zu Russland aufgerufen, sagte der US-Präsident.

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