Russlands designierter Premier Fradkow gilt als Strohmann des Präsidenten: Putin stärkt seine eigene Position

Russlands designierter Premier Fradkow gilt als Strohmann des Präsidenten
Putin stärkt seine eigene Position

Mit der Ernennung des weitgehend unbekannten Michail Fradkow zum neuen Premier hat Russlands Präsident Wladimir Putin erneut für Rätsel gesorgt. Während die EU die Nominierung Fradkows, des bisherigen Gesandten seines Landes in Brüssel, begrüßte, äußerten einige Ökonomen Zweifel an seiner Reformbereitschaft. Fradkow selbst wollte sich inhaltlich noch nicht äußert. Es sei „zu früh für Aussagen zum politischen Kurs“, sagte er

mbr/mzi/law MOSKAU. Russlands Börse spiegelte die Stimmungsschwankung zuverlässig wieder: Sie reagierte zunächst mit einem Kursrückgang von 2,5 %, doch am Nachmittag steuerte der RTS-Index bereits ein neues Allzeithoch an. Stellvertretend für viele Pragmatiker lobte Jochen Wermuth von Wermuth Asset Management die Wahl Fradkows, mit der Putin „einen Profi statt einen Populisten ausgesucht und damit klar gemacht hat, dass die Reformen weitergehen, Recht und Ordnung geschaffen und die internationale Integration fortgesetzt“ werde.

„Er hat weit reichende Erfahrungen in der Korruptionsbekämpfung“, begründete Putin seine Entscheidung. Er hatte am vorigen Dienstag Regierungschef Michail Kasjanow mit der Begründung entlassen, er wolle vor der Präsidentenwahl am 14. März die politischen Prioritäten neu festlegen. Das Parlament, in dem das Putin-Lager eine klare Mehrheit hat, dürfte Fradkows Ernennung am Freitag zustimmen. Die EU-Kommission bezeichnete die Nominierung als „positives Signal“. Sie unterstreiche die Bedeutung, die Putin den Beziehungen zur EU beimesse und fördere das gegenseitige Verständnis. Fradkow gilt als Putin-treuer Technokrat, der in beiden Machtlagern im Kreml auf Akzeptanz stößt – bei den Wirtschaftsreformern, die ausländische Investoren anlocken sollen, und bei den Unterstützern einer größeren staatlichen Kontrolle.

Fradkow sei ein „technokratischer Premier“, woraus sich „nichts über den weiteren politischen Kurs der Regierung und des Präsidenten ablesen lässt“, sagte der Rektor der angesehenen Höheren Schule für Ökonomie in Moskau, Jewgenij Jassin. Mit der Auswechselung des Premiers habe sich Putin Schlagzeilen gesichert, die von seinen Herausforderern um das Amt des Präsidenten abgelenkt hätten, hieß es weiter. Putin gilt als klarer Favorit für die Wahl in knapp zwei Wochen.

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