Russlands Einsatz in Syrien

Hollande droht Putin mit Kriegsverbrechen-Klage

Eben noch blockierte Russland Frankreichs Resolution für einen Waffenstillstand in Aleppo, schon plant Putin einen repräsentativen Termin in Paris. Am Montag kam es noch dicker – und Hollande sagte das böse Wort mit K.
14 Kommentare
Früher Händeschütteln, heute Eiszeit: Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) hat es sich mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande verscherzt. Quelle: dpa
Hollande und Putin

Früher Händeschütteln, heute Eiszeit: Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) hat es sich mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande verscherzt.

(Foto: dpa)

ParisVor einem Jahr stand Frankreich noch kurz davor, Russland zwei hochmoderne Kriegsschiffe zu liefern. Doch heute geht nichts mehr in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern, zumindest nicht zwischen den Staatschefs François Hollande und Wladimir Putin.

Hollande und sein Außenminister Jean-Marc Ayrault sind nicht länger bereit, dem brutalen Bombardement der russischen Luftwaffe in Aleppo tatenlos zuzusehen, wo Putins Piloten die Vernichtungsstrategie des verbündeten Diktators Baschar al-Assad unterstützen. Nachdem Russland am Wochenende mit seinem Veto im Uno-Sicherheitsrat eine französische Resolution für einen Waffenstillstand zu Fall gebracht hat, ist Hollande der Geduldsfaden gerissen.

In einem TV-Interview formulierte Hollande Anfang der Woche eine Drohung, die im Verhältnis zwischen West und Ost noch niemand erwähnt hat: Putin und Assad könnten vor den Internationalen Strafgerichtshof zitiert werden, um sich dort wegen Kriegsverbrechen zu verantworten.

Der russische Staatschef auf einer Anklagebank, die bislang für afrikanische Diktatoren wie Laurent Gbagbo aus der Elfenbeinküste oder den Timbuktu-Vandalen Ahmad al-Faqi al-Mahdi reserviert war? Auch wenn die Drohung nicht wahrzumachen ist, schon weil Russland den Gerichtshof nicht anerkannt hat: Die bloße Erwähnung ist eine ungeheure Demütigung für Putin.

Dabei hatte jener auf einen glamourösen Auftritt in Paris gehofft. Putin wollte – will vielleicht immer noch – zu einer quasi-privaten Visite in die französische Hauptstadt kommen, um dort eine russisch-orthodoxe Kathedrale und ein Kulturzentrum einzuweihen.

Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte 2007 dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Alexis II. zugesagt, dessen großen Wunsch nach dem Neubau einer Kathedrale in Paris zu unterstützen. Drei Jahre später kauften die Russen ein Grundstück von 6400 Quadratmetern, in unmittelbarer Nähe zur Seine und nur wenige hundert Meter vom Eiffelturm entfernt – prestigeträchtiger geht es kaum in Paris. Alexis Nachfolger Kirill, Putins enger Verbündeter, setzte den Bauplan um. Seit ein paar Monaten strahlen die vergoldeten Zwiebeltürme bereits in der Sonne.

Was das Fass für Hollande zum Überlaufen brachte
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Russlands Einsatz in Syrien - Hollande droht Putin mit Kriegsverbrechen-Klage

14 Kommentare zu "Russlands Einsatz in Syrien: Hollande droht Putin mit Kriegsverbrechen-Klage"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nun hat Putin dem Clown die Flanke gezeigt.....und seinen Besuch nach Paris gestrichen.

    Jetzt wird der Russe wohl offen Le Pen im französischen Wahlkampf unterstützen.

    Wenn man schon so eine blöde Fresse hat, wie dieser Franzose, so ist man wohl gezwungen, auch so blöd zu handeln, wie er es auch tut.



  • Hier droht der Bandit, der internationales Recht bricht dem Anständigen, der sich an das internationale Recht hält.

  • Dieses Kriegsverbrechertribunal ist doch nur für Täter aus Afrika oder vom Balkan, sonst wäre dort außer Putin auch schon Georg W. Bush. Diese Sprüche kann Holland sich sparen. Die EU-Staaten müßten sich endlich einigen, was ihre Interessen sind und diese international gemeinsam massiv vertreten. Sowohl gegenüber Russland, als auch der USA, der Türkei, Saudi-Arabien usw. Aber die europäischen Politiker können ja außer Bürokratismus nichts.

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Diese Sache ist viel zu ernst als daß es mit Phrasen behandelt werden kann. Ich teile die Meinung von Marc Hoffmann und meine, bevor sich Putin das anlasten läßt haben wir den Krieg in Mitteleuropa. Der wird derzeit noch in Syrien ausgetragen mit unsäglichem Leid für die Bevölkerung vor Ort. Aber die Politiker sind dabei, ihn zu uns zu holen. Das VOLK in ALLEN Ländern muß zu hunderttausenden aufstehen und sagen "so geht es nicht, wir wollen keinen Krieg". Wir brauchen eine neue Friedensbewegung, gestützt von hunderttausenden in allen Ländern. Überlassen wir das nicht den Politikern!

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • In einem TV-Interview formulierte Hollande Anfang der Woche eine Drohung, die im Verhältnis zwischen West und Ost noch niemand erwähnt hat: Putin und Assad könnten vor den Internationalen Strafgerichtshof zitiert werden, um sich dort wegen Kriegsverbrechen zu verantworten.
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Der THEATERDONNER des Herrn Hollande
    Zur Rechenschaft gezogen werden kann ein Täter grundsätzlich nur dann, wenn er einem Staat angehört, der das Statut des IStGH ratifiziert hat,
    Russland und Syrien haben das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs nicht ratifiziert und damit ist der IStGH nicht zuständig. Im übrigen würde der IStGH auch auf G.W. Bush, Rumsfeld, Cheney & Co. wegen Kriegsverbrechen im völkerrechtswidrig geführten Angriffskrieg gegen den Irak mit ca. 1 Million Toten warten, wenn die USA das Statut des IStGH ratifiziert hätten ----- aber die USA würden sogar militärisch gegen den IStGH vorgehen, wenn US-amerikanische Staatsbürger je vor dem IStGH stehen sollten. (Wikipedia.de)
    Das Desaster in Aleppo könnte sehr schnell beendet werden, wenn die islamischen Söldner der US-Koalition Assads Angebot annehmen würden und aus Aleppo abziehen.
    Weitere Staaten, die das Rom-Statut nicht ratifiziert haben, sind die Volksrepublik China, Indien, Irak, Iran, Israel, Kuba, Nordkorea, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan und die Türkei.
    Frankreich und Großbritannien unterzeichneten hingegen das IStGH-Statut. Schon möglich, dass von interessierter Seite da mal nach möglichen Kriegsverbrechen in z.B. Syrien und dem Irak gesucht werden könnte --- mit den entsprechenden Folgen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%