Russlands Importstopp gegen den Westen
Ein Jahr nur russischen Parmesan

Teure Milch, leere Regale, russischer Parmesan: „Die Produkte im Laden sehen gut aus – bis du sie probierst“, sagt Eva Mala. Die Bloggerin hat 365 Tage Importstopp dokumentiert – und wurde auf ihrer Reise oft überrascht.
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DüsseldorfFrustration ist: Mit einer Einkaufsliste, auf der nur vier Dinge stehen, durch acht verschiedene Supermärkte zu gehen und danach immer noch nichts in der Hand zu halten. So beschreibt es Eva Mala aus der Region um Moskau einen Tag vor dem Weihnachtsfest des vergangenen Jahres.

Damals war der russische Einfuhrstopp westlicher Lebensmittel gut vier Monate alt. Ihre Erfahrungen mit dem Importstopp beschreibt die junge Frau in ihrem Blog „365 Days of Russian Ban On Food“, auf Deutsch: 365 Tage russisches Einfuhrverbot für Lebensmittel. Ihr Profilbild: Ein durchgestrichener Burger und Softdrink – dahinter: Kremlchef Wladimir Putin mit nacktem Oberkörper und Gewehr, „Auf Wiedersehen Erdnussbutter, hallo Salo (ein in Salz und Gewürzen gereifter, sechs bis zehn Zentimeter dicker Rückenspeck), auf Wiedersehen Parmesan, hallo Tvorog (Quark), auf Wiedersehen französischer und italienischer Wein, hallo Wodka“, schreibt Mala zu Beginn.

Der Einfuhrstopp war Kremlchef Wladimir Putins Reaktion auf die wegen der Ukraine-Krise von den USA, der EU, Kanada, Norwegen und Australien verhängten Sanktionen. Zuvor hatten diese Staaten Russland bereits den Zugang zu ihren Finanzmärkten erschwert, künftige Waffenexporte gestoppt und Einreiseverbote gegen mehrere Politiker verhängt. Doch dann kamen die Sanktionen.

Gemeinsam mit dem Ölpreisverfall haben sie die wirtschaftliche Krise in Russland maßgeblich beschleunigt. Wie ein Katalysator der eigenen Lebensmittelknappheit wirkte Putins Verbannung von westlichen Milch- und Fleischprodukten, Obst und Gemüse aus den russischen Regalen.

Die Lebensmittelpreise zogen um 20 Prozent an. Nach amtlichen Statistiken lebten im vergangenen Jahr über 16 Millionen Russen beziehungsweise elf Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Im ersten Quartal 2015 stieg die Zahl auf 23 Millionen Menschen, was einer Quote von 16 Prozent entspricht.

Nur wenige Tage nachdem der Einfuhrstopp in Kraft trat, begann Eva Mala ihren Blog. Sie hatte den Eindruck, dass weder westliche noch russische Medien die Situation richtig darstellten. Russland behaupte, der Einfuhrstopp sei eine Chance für die einheimischen Bauern. Der Westen wiederum hätte oft keine Journalisten vor Ort gehabt und deshalb nur Vermutungen über die Lage in den Supermärkten angestellt.

„Ich fühle mich verantwortlich, den Menschen zu zeigen, wie es wirklich ist“, sagt sie. Ihre Kamera hatte sie daraufhin immer griffbereit, um zu dokumentieren, was sie kaufte, kochte, aß. Ihre Bilder aus dem Supermarkt zeigen oft leere Regale, wo einst westliche Importware angeboten wurde, aber auch die „wirklich beste Pizza in Moskau“ und gemeinsame Familienessen mit Würstchen, Sauerkraut und Teigtaschen.

Seite 1:

Ein Jahr nur russischen Parmesan

Seite 2:

Milch nur noch zum Kaffee – zu teuer

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  • Hi there

    http://www.globus.ru/

    Vollmilch aus Milchautomaten: EUR 1,00 / RUR 80
    Vollmilch pasteurisiert: EUR 0,75 / RUR 60
    Milch entrahmnt UHT: EUR 0,50 / RUR 40

    Bitte kein Quatsch hier mehr...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Des einen Freud, des anderen Leid...
    Tja, ich kann ein anderes Lied über Touristen erzählen: ich war im Juni auf Jamaica - und jetzt raten Sie mal, welche Touristen sich dort im Resort dermaßen von ihrer besten Seite gezeigt haben, dass sie u.a. schon um 10 in der Früh besoffen aus dem Pool gezogen werden mussten? Kleiner Tipp: es waren nicht die Russen... ;-)

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