Russlands Präsident Putin
„Ich gehe doch von allein“

2008 wird das letzte Jahr der Präsidentschaft Wladimier Putins. Doch noch ist der Herr des Kremel alles andere als amtmüde: Die Idee einer "Gas-Opec" hält er für interessant - und wehrt sich gleichzeitig gegen den Vorwurf, Energie als politische Waffe einzusetzen.

MOSKAU. Der marmorne Saal im Kreml ist bis auf den letzten Platz besetzt: Im Radio sind bereits die Meldungen gelaufen – über 1 200 Journalisten aus aller Welt werden dieses Jahr auf der großen Pressekonferenz von Wladimir Putin erwartet. Draußen bei Minus 10 Grad interviewen sie sich gegenseitig, für viele russische Kollegen aus den Regionen ist es ein einmaliges Ereignis: So nah sind sie der „Wlast“, der Macht, noch nie gekommen.

Drinnen schließen sich die Türen des Saales – niemand darf ihn verlassen, so lange der Präsident Rede und Antwort steht. Und das kann dauern. Die folgenden drei Stunden und dreißig Minuten nutzt Putin um seinen Landsleuten im Wahljahr zur Duma ein starkes aufstrebendes Russland zu präsentieren.

Von einem kleinen Blöckchen liest der Kremlherr die neuesten Wirtschaftszahlen ab: Wachstum bei bis zu 6,9 Prozent im vergangenen Jahr, Durchschnittslöhne um 13,5 Prozent gestiegen, die Inflation unter zehn Prozent gefallen, die Schulden bezahlt. Und für seinen Nachfolger in 2008, über den er nicht den Hauch einer Andeutung verliert, hat er bereits die wichtigste Aufgabe parat: Das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung muss gehalten werden.

Putin zieht das Spiel mit den Medien gekonnt durch: Zur rechten Zeit ein Scherzchen und in der Choreografie von Frage und Antwort darf die Agrarzeitung aus Wladiwostok auch nicht fehlen. Die Journalisten halten Schilder mit dem Namen ihrer Publikationen oder ihrer Region in die Höhe. Wann immer der Blick von Putins Sprecher Alexej Gromow durch den Saal schweift, gibt es eine stille La Ola aus Pappe. Wladimir, der „unvergleichliche“, wie ihm eine Lokaljournalistin schmeichelt, ist aber nicht nur angetreten um Huldigungen entgegen zu nehmen – es geht auch um hohe Politik. Trotz des Fokus auf die Probleme des Landes im Wahljahr hat Putin auch ein paar Botschaften an die internationale Gemeinschaft im Gepäck.

Dabei balanciert er zwischen Geben und Drohen: Ja, das große Schtokman-Gasfeld könnte auch mit Hilfe ausländischer Firmen entwickelt werden – da ist viel vorstellbar, nun sei es an Gazprom zu entscheiden. Aber Putin hält auch die die Idee einer Gas-Opec – derzeit eines der Lieblingsprojekte des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad – für „interessant“. Für ein echtes Energiekartell ist er zwar nicht – dafür für mehr Zusammenarbeit und Absprachen, natürlich im Sinne der Verbraucher, „wir müssen darüber nachdenken“.

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