Russlands Sanktionen
Griechen besorgt, Polen will klagen

Präsident Wladimir Putin will mit Gegen-Sanktionen den Druck von Russland nehmen. In der Bevölkerung hat der Einfuhrstopp offenbar viel Rückhalt. Polen will gegen das Importverbot für Lebensmittel Klage einreichen.
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Moskau/Warschau/AthenFast drei Viertel der Russen stehen einer Umfrage zufolge hinter den Sanktionen Russlands gegen westliche Staaten. Präsident Wladimir Putins Einfuhrstopp für zahlreiche Lebensmittel sei für 72 Prozent der Befragten eine angemessene Antwort auf die Strafmaßnahmen des Westens im Ukraine-Konflikt gewesen, teilte das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Lewada am Freitag in Moskau mit. 18 Prozent sind gegen die russischen Sanktionen.

Von den EU- und US-Sanktionen gegen Russland fühlen sich demnach 64 Prozent der Befragten nicht persönlich betroffen. 25 Prozent der Umfrageteilnehmer sind indes beunruhigt, 38 Prozent sehen in den westlichen Strafmaßnahmen eine Gefahr für die russische Wirtschaft.

An der repräsentativen Befragung von Anfang August nahmen den Angaben zufolge 1600 Menschen teil. Traditionell haben in Russland auch die Staatsmedien einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung.

Polen will wegen des russischen Einfuhrverbots für Lebensmittel Klage bei der Welthandelsorganisation WTO einreichen. Das kündigte Landwirtschaftsminister Marek Sawicki in Warschau an. Für das Agrarland Polen sei der Einfuhrstopp schmerzhaft. „Wir sind der Meinung, dass Russland sowohl beim Embargo gegen Polen wie auch beim Embargo gegen die EU internationales Recht gebrochen hat“, sagte er am Donnerstagabend im Fernsehsender TVP. Russland hatte einen Importstopp für Obst und Gemüse aus Polen verhängt. Die Einfuhr fast aller Sorten Früchte und Gemüse ist seit dem 1. August an verboten.

Sawicki führte bereits Gespräche über eine finanzielle Entschädigung der Verluste mit der EU-Kommission. Er spreche auch mit polnischen Supermarktketten. Diese sollten die Produkte, die nun nicht nach Russland exportiert werden können, schnellstmöglich in ihr Warensortiment nehmen, um die Verluste für die Produzenten zu verringern.

Auch den griechischen Obst- und Gemüseproduzenten Sorgen bereiten die Sanktionen Sorgen. Sie könnten nach ersten Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums und der Exporteure Verluste in Höhe von 178 Millionen Euro davontragen. Die Verluste treffen vor allem Regionen in Nordgriechenland, die derzeit große Mengen Pfirsiche nach Russland exportieren sollten. Auch der Bereich Fischerei und die Produzenten von Joghurt und Fetakäse könnten schwere Verluste erleiden, wie die Präsidentin des Verbandes der griechischen Exporteure (PSE), Christina Sakellarides, am Freitag mitteilte. Man bräuchte dringend einen „Alternativplan“, um die Produkte an andere Märkte zu leiten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Als Kind hab ich sonnen hübschen Spruch gelernt: Was Du nicht willst das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.

    Ist sicher nicht in korrektem, schönem Deutsch, sondern eben in Alltags-Sprache - dafür aber um so zutreffender.

    Wenn ich keinen Handelskrieg will sollte ich ihn nicht anfangen. Putin hat der EU sogar noch einmal eine Bedenkzeit gegeben. Nun schlägt er zurück. Natürlich dort wo es weh tut - alles andere wäre doch idiotisch. Und man mag über Putin denken wie man will - ein Idiot ist er ganz sicher nicht. Das wird noch ein heißer Herbst - und ein kalter Winter ...

  • Liebe Polen, ich kann Euch zwar gut verstehen das ihr nun Schwierigkeiten habt, Euer Gemüse u. Obst zu verkaufen nach dem RU sanktioniert hat. Doch zu Behaupten,RU hat gegen Internationales Recht verstoßen erschließt sich mir nicht so ganz. Fest steht, 28 EU Staaten, einschliesslich Polen, haben gegen RU Sanktionen ausgesprochen, ob diese berechtigt sind wage ich zurzeit zu bezweifeln, auch deren Nutzen wirft Fragen auf. Übrigens, in der WTO sitzen 159 Staaten, ich mutmaße nun, das Polen hier mit Seiner Klage keinen Erfolg haben dürfte. Eins noch, lt. Diversen Politikern wurde doch ausgesagt, sollte RU Sanktionen gegen die EU ausrufen, wären die "Schäden" für uns alle nur von minimaler Natur, daher verstehe ich die jetzigen Reaktionen nicht. Denn wenn unsere Politiker, die zum Wohle des Volkes gewählt wurden, solche Aussagen treffen, muss das doch stimmen, oder?

  • Die Polen sind auch so ein Rückgratloses Politikervolk. Erst Russland mit den EU-Sanktionen an den Pranger stellen und dann sich noch darüber beschweren, dass Russland gegen Gesetze (welche Gesetze überhaupt) verstößt.
    Lieben Polen, wenn hier jemand an der Pranger gestellt gehört, dann ist es diese EU-Diktatur.
    Danke!

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