Russlands Sicht: Moskau glaubt der Trump-Kritik nicht

Russlands Sicht
Moskau glaubt der Trump-Kritik nicht

Künftige Kabinettsmitglieder grenzen sich von Donald Trump ab und kritisieren den Kreml. Für die zumeist unpolitischen Russen ist das aber kein Beinbruch. Die Erpressungs-Gerüchte halten sie mehrheitlich für Humbug.
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MoskauEs gibt wichtigeres im Leben als Donald Trump. Jedenfalls für den Normalbürger in Russland. Während Wladimir Putin, russische Hacker und Propaganda-Sender als Dauerthema durch die US-Medien geistern, war der merkwürdige Auftritt Trumps bei seiner Pressekonferenz für die meisten Russen allenfalls eine Randnotiz. In den sozialen Netzwerken jedenfalls rief die Ignoranz eines Autofahrers auf der Halbinsel Kamtschatka, der einen Krankenwagen auf dem Weg zu einem (dadurch) sterbenden Patienten nicht passieren ließ, wesentlich mehr Empörung hervor, als Trumps Fehde mit CNN und den Geheimdiensten.

„Ich habe nur den Beginn der Pressekonferenz geschaut, den Rest dann als Wiedergabe in den Medien“, sagt der Moskauer Ingenieur Sergej. Neue Anschuldigungen gegen Moskau? „Nichts gehört“. Außerdem sehe das verdächtig nach einer Racheaktion von Hillary Clinton aus, meint er.

Während die Theorie, dass Russland die US-Wahlen irgendwie beeinflusst haben könne, zumindest ein wenig das Selbstwertgefühl der Russen hebt und daher nicht als völlig abwegig (und wenn zutreffend, dann auch für moralisch richtig erachtet) gleich verworfen wird, so betrachten die meisten Russen die nun von US-Medien in den Raum gestellte These, dass Trumps „Sympathie“ für Putin allein auf Erpressungsmaterialien beruhe, als absoluten Humbug.

„Blödsinn“, sagt so die Moskauer Rentnerin Ludmila. Es wäre doch sehr dumm zu versuchen, Trump zu erpressen, wo er doch ohnehin eine Normalisierung der Beziehungen anstrebe. Putin sei dafür zu klug, meint sie. „Die US-Medien spielen wohl ein Spiel: Wer denkt sich abscheulichere Sachen aus“, klagt Igor Prokoffjew, ein Leser der Internetzeitung „Wsgljad“

Das ist genau der Tenor, den auch die staatlichen russischen Medien anschlagen. Die Übereinstimmung ist kein Wunder: Bezeichnen doch laut einer frischen Umfrage immer noch 57 Prozent der Bevölkerung das Fernsehen als ihre wichtigste Informationsquelle.

Anatoli Kutscherena, als Anwalt des Whistleblowers Edward Snowden zu einiger Bekanntheit gelangt, schreibt in der kremlnahen „Iswestija“ von „merkwürdigen Behauptungen“, die wohl einzig und allein dem Zweck dienten, Trump zu schwächen, um ihm die Möglichkeit zu nehmen, einen eigenständigen Kurs hin auf eine Annäherung an Russland zu fahren.

Kutscherena verweist in seiner Kolumne ironisch darauf, dass die US-Geheimdienste jahrelang Abhörsysteme eingeführt hätten, um sich Vorteile in der internationalen Politik zu verschaffen. „Nun behaupten dieselben Geheimdienste in ihrem gemeinsamen Bericht, dass die USA selbst Opfer einer Spezialoperation im Cyberspace geworden seien.“ Insgesamt enthielten die beiden Berichte aber nicht mehr als Deklarationen und Vermutungen, so der Advokat.

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Kritik vom Außenminister in spe als Warnsignal

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