Russlands Vizepremier Schuwalow
„Beiden Seiten fehlt das Vertrauen“

Als Vizepremier gehört Igor Schuwalow zu den einflussreichsten Politikern Russlands. Im Interview spricht über den deutsch-russischen Handel, die Kapitalflucht und Korruption.
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Handelsblatt: Herr Vizepremier, der deutsch-russische Handel wächst sehr dynamisch. Doch die beiderseitigen Investitionen bleiben deutlich dahinter zurück. Warum?

Igor Schuwalow: Es gibt wohl nicht genug Vertrauen. Übrigens auf beiden Seiten, denn wir sprechen ja immer auch über Investitionen in beide Richtungen und über eine gemeinsame Energiepolitik. Aber es kommen Investoren: Allein so ein modernes Werk wie Volkswagen es bei uns hat, ist sehr viel wert. Davon könnte es ruhig noch ein paar mehr in Russland geben.

Und warum kommen die derzeit nicht nach Russland?

Neben dem fehlenden Vertrauen ist es der ständige und heftige politische Streit über eine europäisch-russische Energiepolitik. Die EU drängt hier immer mehr auf Diversifizierung weg von Russland. Das strahlt auf andere Branchen aus. Aber wenn ich mit deutschen Investoren rede, höre ich großes Interesse. Das wollen wir mit allen Mitteln unterstützen.

Wie denn?

Wir haben einen Plan zur Förderung von Auslandsinvestoren. Damit wollen wir die Verwaltung ändern, die natürlich lange nicht so wie in Europa ausgeprägten Eigentumsrechte stärken und unser Justizwesen modernisieren, das bei weitem nicht so effektiv und transparent ist wie das deutsche oder britische. Da werden wir jetzt fünf, sechs Jahre hart dran arbeiten.

Aber momentan sieht Russland ja nicht nur einen verlangsamten Fluss von Auslandsinvestitionen, sondern eine gigantische Kapitalflucht. Wie erklären Sie das?

Das hat natürlich auch mit unserer Abhängigkeit von Öl und Gas zu tun und den Konjunkturzyklen. Aber auch mit der politischen Ungewissheit im Zuge von erst den Duma-Wahlen im Dezember, dann der Präsidentenwahl im März und jetzt gerade der Regierungsbildung. Die Experten sagen uns voraus, dass nach der vollen Neubesetzung der Regierung jetzt auch Auslandsinvestitionen wieder fließen. Aber Sie haben recht, die Zentralbank rechnet für dieses Jahr mit einem Kapitalabfluss von bis zu 100 Milliarden Dollar.

Kommentare zu " Russlands Vizepremier Schuwalow: „Beiden Seiten fehlt das Vertrauen“"

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  • Schon heute treiben wir mehr Handel mit Russland und Polen zusammen als mit den USA, ein Trend der sich fortsetzen wird.

    Die gegenwärtige EU und Russland ergänzen sich fast perfekt, insofern sind die wirtschaftlichen Kräfte die auf eine weitere Annäherung drängen enorm.

    Noch steht Russland als der offizielle Verlierer des kalten Krieges in den Büchern, ob das so bleibt liegt größtenteils in den eigenen Händen.

    Vielleicht wurde mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion der Grundstein für das neue Europa gelegt, ein Europa das vom Atlantik bis zum Pazifik reicht.

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